Ein Zug war das Markenzeichen dieser italienischen Mannschaft. Dieser Zug bestand im Wesentlichen aus den Helfern des Teamkapitäns Alessandro Petacchi. Aber nicht nur in diesem Zusammenhang ist der Begriff aus dem Bahnverkehr in Bezug auf das Team legitim. Einer Bahnfahrt glich diese abgewickelte Saison. Sowohl einem zuverlässigem Maß an Pünktlichkeit, Komfort auf höchstem Niveau oder Präzision bis in letzte Detail als auch missglückte Weichenstellungen, Entgleisungen oder Abstellgleise beschreiben den Saisonverlauf dieses Radsportstalls.
Nicht immer ist der Vergleich von Fassa Bortolo mit dem Schienenverkehr zwingend, manchmal etwas konstruiert wirkt es, wenn die Saison beschrieben, analysiert und zusammengefasst wird. Aber dennoch stellt die Fachterminologie der Bahn einen Teil des roten Fadens dieser Bilanz dar, mag es sich auch mal etwas verunglückt lesen und mag es auch so sein, dass der Autor diesen Pfad im Laufe des Textes verlassen wird. Steigen Sie also dennoch ein und durchleben sie die unterschiedlichen Stationen des Jahres.
Es begrüßen Sie an Bord die
Lokführer
Alessandro Petacchi, Kim Kirchen, Juan Antonio Flecha, Fabian Cancellara und Mario Bruseghin.
Alessandro Petacchi war auch in dieser Saison der Mann für die Schnellzüge mit Hochgeschwindigkeiten. Seine Crew und er fuhren meist mir unvermittelter Präzision von einer Station zur nächsten. Trotz unverkennbarer Schwächen im Hochgebirge galt der Schnellzug in der Ebene als Inbegriff für Präzision und Pünktlichkeit. Kleine Verspätungen während des Streckenverlaufs (Ausreißergruppen) wurden noch auf dem Weg meist kurz vor dem Zielbahnhof ausgebügelt, so dass Petacchi und Co. mehrfach diverse Auszeichnungen für ihre Präzision erhielten.
Mit besonderem Stolz erfüllte die Ankunft in San Remo das Herz von Petacchi. Hatten Kritiker doch geunkt, dass ihm die Ankünfte im Langstreckenverkehr (fast 300 km) nicht liegen, so bewies er 2005 nach entsprechenden Vorbereitungen, dass diese ihn falsch einschätzten. Seine Crew, bestehend aus Sacchi, Velo, Tosatto, Baldato, Petito, Ongarato sowie Kirchen, hatte für einen reibungslosen Ablauf gesorgt, so dass einem pünktlichen Eintreffen beim Lieblingsrennen der Italiener nichts mehr im Wege stand.
Diese Crew in leicht wechselnder Besetzung zeigte sich mehrfach dafür verantwortlich, dass ihr Chef auch immer sehr frühzeitig – meist vor allen anderen – in den Zielbahnhof einlief. Schon beim ersten Check bei Tirreno-Adriatico, einer Sonderprüfung auf sieben Teilstücken, lief der Zug besser als erwartet, insgesamt drei Mal erreichte er die Ziele mit Auszeichnung. In der Gesamtübersicht war nur das Modell Freire besser.
Zugführer Petacchi vermochte ebenso bei den Untersuchungen in der Romandie zu überzeugen. Zwei weitere Auszeichnungen bei der Überprüfung der Schnellkraft kamen hinzu. Die größte Wertschätzung erhoffte sich der Mann aus La Spezia beim Giro d´Italia. Hier musste er zeigen, dass er auch bei Dauerbelastung nicht den Kopf, die Übersicht und den Mut verliert. Im Jahr zuvor gelang dieses gar neun Mal ohne Beanstandungen. In diesem Jahr zeigte ein Fahrer namens Robbie McEwen, dass sich neue Herausforderungen ergaben. Bei einer Ankunft entgleiste der Zug Fassa Bortolo sogar, während sich der Konkurrenzzug Davitamon-Lotto durch Standfestigkeit auszeichnete. Dennoch schaffte Petacchi vier Siege im Rahmen des Giros, die geplante Auszeichnung für den Lokführer mit den meisten Punkten wurde ihm aber nicht zu teil.
Allerdings gab es einen Pendantwettbewerb in Spanien, Vuelta, wo er abermals seine Dauerbelastung unter Beweis stellen wollte. Dieses gelang ihm mit größerem Fortune. Bei fünf Wertungen lag er ganz vorne und gewann am Ende das blaue Trikot des Punktbesten. Eine interessante Auszeichnung in Spanien für den Lokführer mit der höchsten Endgeschwindigkeit.
Diese Tests in Spanien geschahen nicht ganz uneigennützig. Sie dienten als Vorbereitung für die WM in Madrid, die aufgrund der Schienenbeschaffenheit dem italienischen Kapitän angeblich entgegen kommen sollten. Während dieses Rennens, das er nicht im Outlook seines Sponsors sondern in den Farben seines Landes bestritt, erwies sich, dass er vermutlich die falschen Kühlaggregate eingepackt hatte. Die Maschine lief zu heiß und war nicht mehr in der Lage, volle Fahrt aufzunehmen, so dass mal wieder kein Italiener bei der WM triumphierte.
Ebenfalls mit guten Lizenzen ausgestattet, begab sich der Spanier Juan Antonio Flecha auf die nicht ganz einfach zu fahrenden Strecken in Belgien und Frankreich im Frühjahr. Besonders das Geläuf zwischen Paris und Roubaix gilt als schwierig und ungemütlich. Dennoch zeigte er auch eher seine Qualitäten. In Roubaix hatte er Pech, da er schon zu viele Sand ins Getriebe hatte und somit nur Dritter wurde. Eine halbe Woche zuvor trug er mehr Zuversicht mit sich, als er auf dem Weg von Gent nach Wevelgem bereits in den Zielbahnhof einbog. Allerdings hatte der Organisator für jemand anderes die Weichen günstiger gestellt, der dann – durch günstige Winde bevorteilt - noch vor Flecha in Wevelgem einlaufen sollte.
Als Flecha (12.) sich im Führerhaus bei der Flandern-Rundfahrt vertreten lassen musste, machte der Ersatzlenker Roberto Petito seine Sache gut. Auf dem eher gewöhnungsbedürftigen Terrain erreichte er als 5. die Zielstation.
Gerade für Flecha gilt, dass er sich nach seinem Sieg bei Züri-Metzgete 2004 auf völligem anderen Terrain mehr als gut zu Recht fand. Er ist zu einem erstaunlich versiertem Fahrer geworden, der unabhängig von den klimatischen und topografischen Bedingungen zu Höchstleistungen an offensichtlich allen Orten der Welt fähig ist, wenn man sich eine Auflistung seiner Erfolge im Laufe seiner Karriere betrachtet. Deshalb hat er diese Saison den Weg in die Belle Etage der Topradfahrer (immer lässt sich der Vergleich zum Bahnverkehr nicht halten) geschafft. Der neunte Rang in Hamburg unterstützt diesen Eindruck.
Bei Paris-Roubaix erhielt er über einen größeren Zeitraum teaminterne Unterstützung von Fabian Cancellara. Dieser gehörte einer Spitzengruppe an, bis dem Schweizer ein für dieses Terrain typischer Defekt ereilte, so dass Fassa Bortolo eine taktisch erfolgversprechende Variante für das Finish einbüßte. Ansonsten wären andere strategische Möglichkeiten im Zusammenspiel des Schweizers und dem argentinischen Spanier für Fassa Bortolo bei dem Monument denkbar gewesen wären. Cancellara wurde im Velodrom letztlich Achter.
Der Schweizer zeichnete sich im Einzelzeitfahren durch Pünktlichkeit aus. Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks spulte er die Kilometer herunter, so dass er bei der WM in Madrid – im Gegensatz zum Dienstkollegen Petacchi beim Straßenrennen – mit einer Bronzemedaille dekoriert, den Heimweg antrat. Der Schweizer wusste aber auch ansonsten in der Saison zu überzogen. Zeitfahren im Rahmen der Pro Tour gewann er keine. Einen Etappensieg bei Paris-Nizza konnte er allerdings verbuchen, als er mit Teamkollegen Flecha den Esten Kirsipuu bei der Zielankunft düpierte.
Die Abschlussetappe der Tour de France sah Cancellara als Dritten auf dem Champs Elysee. Im Gegensatz zum Vorjahr feierte er jedoch keinen Etappensieg in Frankreich. Des Weiteren fiel er mit einer starken Leistung bei den HEW-Cyclassics, bei der er den vierten Platz erreichte.
Durch starke Ergebnisse zeichnete sich der Luxemburger Kim Kirchen aus. Zum Abschluss der Pro Tour sicherte er sich den Gesamterfolg der Polen-Rundfahrt, bei dem er auch einen Etappensieg schaffte. Rundfahrten zählten nicht unbedingt zu den Stärken des Teams, wenn man sich die Gesamtwertungen zu Gemüte führt. Außer Petacchis etwas glücklichem Ergebnis bei Tirreno-Adriatico gelang keinem weiteren Fahrer neben Kirchen der Sprung aufs Podium. Kirchen selber scheiterte am Saisonbeginn bei Paris-Nizza am Einzug unter die besten Zehn.
Im Rahmen des Eintagesrennen zeigte er sich unterschiedlich erfolgreich. Sehr stark war sein Abschneiden in den Ardennen. Die Krönung dort stellt sicherlich der zweite Platz beim Fleche Wallone dar, bei dem er nur dem spätern Pro Tour Gesamtsieger Di Luca unterlag. Das Amstel Gold Race beendete er auf dem 11. Platz und beim schweren Rennen Lüttich-Bastogne-Lüttich kam er auf einen nicht ganz befriedigenden 19. Rang.
Ein Fahrer des Teams schafft drei Mal bei Rundfahrten Platzierungen in den Top Ten, die zum Erwerb von Pro Tour Punkten berechtigten. Marzio Bruseghin verkörperte und ersetzte den Dario Cioni des Vorjahres, der neben seinen Hilfstätigkeiten für Petacchis Schnellzüge auch selber bei den hügeligen und bergigen Etappen mit der Spitze konkurrieren konnte. Beim Giro eroberte er den neunten Platz. Dieses Endresultat ist insofern bemerkenswert, da die Equipe bei GTs sich nicht auf die Gesamtklassements speziell ausrichtete.
Jeweils achte Ränge konnte sich Bruseghin bei der Dauphine Libere und der Deutschland-Tour erstreiten. Diese Ergebnisse bedürfen allerdings einer genaueren Interpretation. Sein Abschneiden bei der Deutschland-Tour wurde durch den Umstand begünstigt, dass der Saisonhöhepunkt für die meisten der teilnehmenden Fahrer und Teams mindestens vier Wochen zurück lag. Die Herren, die in den vorangegangenen Rundfahrten dominierten, hatten zum Teil die Saison beendet oder ließen diese ausklingen. Andere wiederum befanden sich in der unmittelbaren Vorbereitung zur Vuelta, so dass der Kreis derer, die in der Deutschland-Tour etwas bewegen wollten, überschaubar blieb. Vorrangig einheimische Fahrer und Teams betrachteten diese Rundfahrt als ein weiteres Highlight, während Bruseghin eher die Gunst der Stunde nutzte, um noch ein paar Punkte für die Pro Tour zu gewinnen.
Anders verhält es sich mit der Betrachtung des Verlaufs der Dauphine Libere. Fast alle Favoriten der Tour de France nahmen in der abgelaufenen Saison an dieser Rundfahrt teil. Die Zeit der lockeren Trainingsrennen war längst vorüber, es ging in die Endphase der Vorbereitungen. Die Dauphine gilt als anspruchsvoll und als Generalprobe für die ambitionierten Radsportler. Nicht selten finden sich die Fahrer, die bei dieser Rundfahrt glänzten, reihenweise auf den vorderen Plätzen der Grand boucle wieder. Bruseghin, jedoch, war nicht damit beschäftigt, sich den Feinschliff für die große Runde in Frankreich zu holen, sondern er hatte bereits den Giro in den Knochen. Eigentlich hätte es nicht weiter verwundert, wenn er bei der Dauphine Libere gar nicht weiter in Erscheinung getreten wäre. Dennoch zeigte er viel Sportsgeist und wurde entsprechend entlohnt.
Bemerkenswert sind seine Leistungen schon, da er sich in erster Linie als Edelhelfer versteht. Eigene Interessen stehen da erst mal hinten an. Dabei hat er für einen Italiener hervorragende Qualitäten im Kampf gegen die Uhr und ist auch am Berg recht widerstandsfähig. Inwiefern er noch Potential hat, um noch weiter nach vorne zu kommen, lässt sich nur erahnen. Erleben wird man es wohl eher nicht, da er auch künftig die Rolle als Edeldomestike wahrnehmen wird. Zwar wird seine Aufgabe wohl weniger darin liegen, für Petacchi die Sprintzüge zu ermitteln, aber sein neuer Vorgesetzter, Damiano Cunego, wird auf seine Dienste in den Anstiegen bei Bergetappen hoffen.
Wenn man noch einmal einen Augenblick verharrt, um bei Fassa Bortolo nach dem Kapitän Ausschau zu halten, der auch bei GTs um das Podium streitet, der wird lange suchen müssen. Teammanager Ferretti hatte diesbezüglich zwar in der Vergangenheit Interessen, aber die auserwählten Fahrer verschafften ihm nur weniger Glücksgefühle. Zum einen war dort Aitor Gonzalez, der nach seinem Vuelta-Sieg verpflichtet wurde. Er konnte aber überhaupt nicht an diese Leistungen anknüpfen und wurde vor der Saison abgegeben.
Zum anderen hoffte man, dass Dario Frigo wieder in diese Rolle schlüpfen konnte. Diese Erwartungen konnte er aber nicht erfüllen. Frigo, der ohnehin seit seiner Überführung in Sachen Dopings (2001) als suspekt galt, nahm an der Tour de France teil. Seine Frau wurde während der Grand boucle in Frankreich festgenommen, weil man bei ihr EPO-Ampullen fand. Daraufhin wurde auch der Rennfahrer selbst festgenommen. Fassa Bortolo stellte fest, dass Herr Frigo im Bahnverkehr ein Schwarzfahrer war und setzte ihn endgültig an die Frischluft.
Andere Fahrer in der Pro Tour
In der Gesamtwertung der Pro Tour wurden mehr als die genannten Fahrer aufgeführt. Zunächst müssen jedoch die Platzierungen der Lokführer an dieser Stelle nachgeliefert werden. Alessandro Petacchi erreichte den 12. Rang, der Luxemburger Kim Kirchen belegte den 23. Rang, während Juan Antonio Flecha auf dem 30. Platz zu finden ist. Der Schweizer Cancellara ist auf der 41. Position vermerkt, während Bruseghin es auf den 47. Rang schaffte. Erwähnter Petito erreichte übrigens Platz 84.
Auf dem 77. Platz ist ein weiterer Fahrer des Teams zu finden. Dieser heißt Lorenzo Bernucci und sprang vor der Saison vom belgisch-italienischen Team Landbouwkrediet-Colnago auf den rollenden Zug von Fassa Bortolo auf.
Zunächst trat er kaum in Erscheinung. Für die Tour de France, die für italienischen Teams nicht den Mittelpunkt des Kalenders darstellt, wurde er nominiert. Dort übte er sich bis zur 6. Etappe in Unauffälligkeit. Diesen Abschnitt konnte er gewinnen, weil ein Kontrahent – Christophe Mengin (Francaise des Jeux) – entgleiste. In der Folge kam es zu einer Karambolage, die der Italiener unbeschadet und unberührt überstand und als erster die Ziellinie überquerte.
Bernucci hatte fortan Gefallen am eigenen Erfolg gefunden. Bei Zürich-Metzgete nutzte er erneut die Gunst der Stunde und sicherte sich den dritten Platz. Damit hatte vor der Saison niemand gerechnet.
Sein Teamkollege Alberto Ongarato wollte es ihm nachmachen. Nachdem Chef Petacchi bei Paris-Tours durch Abwesenheit glänzte, durfte der endschnelle Mann es selber mal auf eigene Rechnung versuchen. Immerhin einen fünften Platz konnte er erreichen. Einige Wochen zuvor durfte er seinen Chef in einer Sprintentscheidung bei der Vuelta vertreten, wo es zu einem dritten Rang reichte. Somit gelang in der Pro Tour der 104. Platz.
Zu guter Letzt wird Matteo Tosatto, jahrelang Partner von Petacchi, in dieser Rangliste auf dem 156. Platz notiert. Dieser resultierte aus dem überraschenden zweiten Platz beim Prolog des Giros, als er auf der 1,1 km langen Gerade um einen Hauch schneller als Petacchi war.
In der Pro Tour Teamwertung taucht Fassa Bortolo nur auf dem 13. Platz auf. Meines Erachtens zeigt sich anhand dieses Rennstalls erneut recht deutlich und eklatant, dass die Einstufung der Teams anhand des bisher geltenden Reglements starke Schwächen aufweist. Sieben Podiumsplatzierungen, 17 Etappensiege – so viel wie keine andere Mannschaft - und weitere gute Platzierungen spiegeln sich nicht in der eigenwilligen Teamwertung der Pro Tour wider. Damit führt sich die neue Rennserie selbst ad absurdum. Insofern stört sich wohl keiner der Verantwortlichen und der Fahrer an dem so gesehen eher mäßigen Gesamtergebnis der Equipe.
Outside Pro Tour
Fassa Bortolo war ein ausgesprochen rennfreudiges Team, das an vielen Wettbewerben teilnahm und dementsprechend viele Veranstaltungen siegreich gestaltete.
Besonders Petacchi ließ es sich nehmen, auch neben der Pro Tour die Effektivität seines Zuges zu vollenden. Selbst wenn er nur knapp am Sieg bei Tirreno-Adriatico vorbei schrammte, blieb er nicht ohne Gesamterfolg bei einer Rundfahrt. In Spanien siegte er bei drei Etappen der Valencia-Rundfahrt. Ferner gewann er auch im Endergebnis, nachdem auch Teamkamerad Flecha eine Etappe dort gewann.
In Spanien verkehrte der Zug von Fassa Bortolo recht gerne und ausgiebig, wie sich im Nachhinein anhand der Siege Petacchis beim Torfeo Luis Puig (1.1), je zwei Etappenerfolge bei der Andalusien-Rundfahrt (2.1) und Aragon-Rundfahrt (2.1) erschließen lässt. In heimischen Gefilden glänzte er bei den Etruskern, als er den GP Costa degli Etruschi (1.1) zu seinen Gunsten entschied. Alleine 25 Erfolge stehen 2005 bei ihm zu Buche.
So erfolgreich waren die anderen Akteure natürlich nicht. Neben ihm konnte nur ein Fahrer eine Rundfahrt gewinnen – Kim Kirchen bei besagter Polen-Rundfahrt. Der Luxemburger war es aber auch, der zwei Eintagesrennen als Erster abschloss. So stand er auf dem obersten Treppchen nach dem Rennen „Trofeo Laigueglia“ (1.1). Einen weiteren Sieg feierte er beim GP Chiasso (1.1). Auch zu einem Etappenerfolg kam er. Dieser geschah während der Settimana Ciclista Internazionale „Coppi e Bartali“ (2.1), wo das Team auch einen Erfolg im Mannschaftszeitfahren feiern konnte.
Zu diesem Wettbewerb im Rahmen dieser Rundfahrt trat das Team übrigens ohne ihren Zeitfahrspezialisten schlechthin – Fabian Cancellara – an. Dieser entschied – nachdem er in der Pro Tour in einer entsprechenden Konkurrenz im Kampf gegen die Uhr ohne Sieg geblieben war – zwei Wettbewerbe dieser Art für sich. Jeweils bei der Katalanischen Woche (2.HC) und bei der Tour de Luxemburg (2.HC) gewann er. Die Schweizer Konkurrenz war ihm bei den Landesmeisterschaften offenkundig nicht ebenbürtig. Die Stoppuhr zeigte später an, dass er mit mehr als einer Minute Vorsprung eine vorgegebene Strecke als Schnellster bewältigt hatte.
Bei der Katalanischen Woche schlug ebenfalls die Stunde von Claudio Corioni. Der Neo errang im Rahmen dieser Rundfahrt den ersten Sieg seiner Profikarriere. Die Tour de Luxemburg, bei der Cancellara übrigens Zweiter wurde, sah noch zwei weitere Tagessieger im Outfit von Fassa Bortolo. Der eine heißt Dario Frigo, der andere Alberto Ongarato, der zudem eine Etappe bei der Tour de la Region Wallone (2.1) gewann.
Eine feste Größe im Zug des Teams stellte Fabio Sacchi dar. Auch ihm wurde neben Ongarato ermöglicht, etwas auf eigene Faust zu probieren. Er revanchierte sich für diese Möglichkeit durch den Sieg bei „Milano-Torino“ (1.1). Last but not least, fehlt noch der Este Andrus Aug, der eine Etappe beim Giro del Trentino (2.1) als Sieger abschloss.
Es ließen sich noch viele weitere Fahrer dieses Teams aufführen, die durch gute Leistungen auffielen. Viele haben einfach das Pech, dass sie bei einem Rennstall beschäftigt wurden, der durch viele Erfolge sowieso schon überproportional häufig erwähnt wird, so dass gute Ergebnisse in einem Jahresrückblick unter den Tisch fallen, weil sie den Rahmen der Erörterung einfach sprengen würden. Ohne Nennung von Resultaten werden hier die Namen von Francesco Chicchi, Mauro Facci, Vincenzo Nibali und Marco Velo genannt.
Diese Erwähnung leitet zu den Siegern und Verlieren des Teams über
Tops und Flops
Gewinner
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Alessandro Petacchi: Endlich konnte er die classicisima gewinnen. Dieser Erfolg entschädigt sicherlich für verpasstes WM-Gold. 14 Tagessiege in der Pro Tour, davon neun bei GTs, unterstreichen die Weltklasse dieses Mannes.
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Kim Kirchen: Zwei Mal Podium in der Pro Tour. Das war dem Luxemburger nicht unbedingt zuzutrauen. Er nutzte seine Chancen in einer Nische des Teams. Bei den Ardennen glänzte er mit vorzüglichen Leistungen.
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Juan Antonio Flecha: Wer konnte damit rechnen, dass ein Spanier in der Hölle des Nordens fast gewinnen würde? Lob und Anerkennung für den Fahrer, der bei Gent-Wevelgem um einen sicheren Sieg gebracht wurde, um dann vier Tage später in Roubaix nur an Boonen und Hincapie zu scheitern.
Verlierer:
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Dario Frigo: … und tschüss.
• Andrej Hauptman: Vom Slowenen sah man in der Saison fast gar nichts. Vermutlich wurde er für die vielen Erfolge des Teams geopfert. Allerdings spricht es nicht für den Sportler, wenn er dann nicht bei den seltenen Gelegenheiten auf sich aufmerksam machen kann.
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Paolo Bossoni: Auch dem anderen Zugang von Lampre blieben nennenswerte Ergebnisse bei Fassa Bortolo in der Saison versagt.
Ausblick auf 2006
Fassa Bortolo stellt seine Sponsorentätigkeit nach dieser Saison ein.
Damit stellt 2005 die Endstation des Teams dar. Schon frühzeitig zeichnete sich ab, dass kein Nachfolgesponsor gefunden werden konnte. Somit gingen viele wichtige Fahrer von Bord. Teammanager Giancarlo Ferretti ließ nichts unversucht und schien schließlich auf der Suche im Herbst fündig geworden zu sein. Da sein Paradestück Petacchi längst das Gleis gewechselt hatte, wechselte Ferretti das Genre und setzte auf Gilberto Simoni als Hauptlokführer, also auf jemanden, der sein Heil in Gesamtwertungen sucht. Es stellte sich aber heraus, dass Ferretti, Simoni & Co. auf einem Abstellgleis gelandet waren und somit ein abrupter Richtungswechsel auch für die unentwegten Fahrer nötig wurde.
Petacchi nahm einen Teil seiner Crew (Ongarato, Velo und Sacchi) zum Team Milram mit. Dort wird er künftig mit seinem ehemaligen Konkurrenten Erik Zabel gemeinsame Sache machen. Im Fokus standen bisher Titelverteidigungen bei Mailand-San Remo sowie Siege beim Giro, während Zabel bei der Tour um das Grüne Trikot kämpfen soll. Mittlerweile will Petacchi wohl lieber bei der Tour starten, weil das Profil beim Giro als nicht sprinterfreundlich gilt. Damit scheint Ärger bei und vor der Tour vorprogrammiert zu sein, da nun Zabel um seine Ambitionen bangen muss. Auch bei Mailand-San Remo scheint es eine Interessenkollision zu geben.
Fabian Cancellara folgt dem Ruf von Bjarne Riis. Beim dänischen Team wird er wohl bestens aufgehobensein, weil er dort auf viele gute Zeitfahrer treffen wird. Aber nicht nur in dieser Disziplin erhofft man sich Erfolge von ihm. Auch bei Paris-Roubaix soll er seine Qualitäten unter Beweis stellen. Sein ukrainischer Teamkollege Volodymir Gustov folgte ihm zu CSC.
Kim Kirchen nahm auch einen Teamkollegen zu seinem neuen Arbeitgeber mit. Bei T-Mobile darf er versuchen, seine Ergebnisse der Vorsaison zu verbessern. Lorenzo Bernucci wird ihn dabei unterstützen.
Einheimische Teams sicherten sich ebenfalls die Dienste der Fahrer. So wird Bruseghin neben Corioni künftig das Trikot von Lampre tragen. Nibali wechselt hingegen zu Liquigas-Bianchi. Aug und der Weißrusse Kanstantsin Siutsou werden ihre Pflicht künftig für das Professional Team Acqua & Sapone verrichten, während Bossoni die Farben von Tenax tragen wird.
Flecha wechselt zum niederländischen Team Rabobank, um deren Schwachstellen für die Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix auszumerzen, während Tosatto nicht seinem Chef Petacchi folgte, sondern künftig für dessen Gegner Boonen die Sprints anziehen wird. Auch Chicchi wird 2006 seine Brötchen bei Quick Step verdienen. Der Schwede Gustav Larsson bleibt der Pro Tour erhalten, da er bei Francaise des Jeux untergekommen ist.
Der Spanier Julian Sanchez, bei der Vuelta 2005 immerhin Bester seines Teams als 32., wechselt zum Professional Team Comunidad Valenciana – Kelme, während Hauptman nur Unterschlupf beim Continental Team Radenska Powerbar gefunden hat.
Er gibt aber immer noch einige, die am Bahnsteig stehen. Es verwundert, dass Roberto Petito trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch nicht weiß, ob er auch künftig auf höchstem Niveau seinem Broterwerb nachgehen wird. Ebenso bangt Fabio Baldato um die Forstsetzung seiner Karriere. Auch Massimo Giunti kann noch keinen Vollzug melden, welches Trikot er 2006 tragen wird. Dieses Schicksal teilen Massimo Codol und Facci.
Manager Ferretti hat diesen Bahnhof wieder verlassen. Beim Professional Team wird er die Ziele nicht so edel wie bisher benennen können, aber er bleibt dem Rasport erhalten. Ob er aber jemals wieder einen Zug wie bei Fassa Bortolo dirigieren wird, das wird die Zukunft zeigen.
Zur Teamliste
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o.T.