| Saisonbilanz 2006 Euskaltel-Euskadi
|
Die wichtigste Nachricht des Jahres war sicherlich die Verkündung des Sponsors, seine Tätigkeit entgegen mancher Erwartungen doch um zwei Jahre bis Ende 2008 zu verlängern. Die Skepsis an der Fortführung der Tätigkeit erschloss sich aus zwei Beweggründen.
Erstens waren 2005 zwei Fahrer mittels Dopingproben auffällig geworden. Zum einen war das der Sieger der Tour de Suisse 2005, Aitor Gonzalez, zum anderen der Gewinner der Dauphiné Libéré, Iñigo Landaluze. Gonzalez wurde gefeuert, während man bei Landaluze abwartete, welche Konsequenzen ihm drohten. Letztlich blieb er unbehelligt. Aber alleine dieser Absatz verdeutlicht eine Thematik, die sich vom baskischen Rennstall leider nicht trennen lässt: Doping. Es passt dazu, dass zum Kreis der Fuentes-Patienten auch Personal von Euskaltel zählt. Allerdings wurde nicht bekannt, ob aktuelle Fahrer der Equipe tatsächlich in die Affäre verwickelt waren.
Zweitens überschlugen sich die Teamangestellten nicht gerade mit Erfolgen. Euskaltel-Euskadi hatte 2005 wenig Grund zu Freude. Iban Mayo, der eigentliche Star des Teams, radelte dem Erfolg ein weiteres Jahr glücklos hinterher. Haimar Zubeldia konnte auch nicht beweisen, warum er bei der Tour 2003 Sechster geworden war. Lediglich Samuel Sanchez und Roberto Laiseka vermochten bei der Vuelta Etappensiege bei einer GT einzufahren. Von Aitor Gonzalez und Landaluze ganz zu schweigen, die zwar Rundfahrten gewannen; diesen Erfolgen wohnten aber genannte Makel bei. David Herrero vermochte noch positive Akzente aus den Reihen des Teams zu setzen.
Aussichten auf Erfolge sind ohnehin eingeschränkt. Da sich die Equipe nur aus einem Fundus an baskischen Pedalisten bedienen können, stellen sich die Highlights des Teams fast von selbst zusammen. Mit den Rennen auf dem Kopfsteinpflaster können die Fahrer nichts anfangen. Sie starten dort nur, weil sie aufgrund der Pro Tour (PT)-Bestimmungen dazu verpflichtet sind. Stände es den
Teams frei, an drei Wettbewerben des Kalenders nicht teilzunehmen, dann würde man das orange Trikot nicht bei der Flandern-Rundfahrt, Gent-Wevelgem und Paris-Roubaix zu Gesicht bekommt. Wenn man ehrlich ist, sieht man es auch nicht, obwohl Euskaltel teilnimmt. So erreichen nur wenige Basken bei den genannten Wettbewerben den Zielort.
Ein Hauptproblem der Equipe liegt darin begründet, dass deren Fahrer ihre Stärken nur bei den Rundfahrten und hin und wieder bei hügeligen Klassikern entwickeln. Zudem verteilt sich die Verantwortung im Rennstall auf nur wenige Schultern. Das Team ist davon abhängig, dass diese Fahrer leistungsmäßig stets auf der Höhe sind, will man positive Schlagzeilen schreiben.
Zeigt sich ein Leistungsträger nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, dann mangelt es an Kräften, die ihn entsprechend vertreten. Die Köpfe des Teams sind Sanchez, Mayo, H. Zubeldia und mit Abstrichen Landaluze, Herrero sowie Laiseka. Da besonders Mayo, der mal als ein Favorit auf die Tour galt, dieser Stellung 2005 nicht gerecht wurde und auch Zubeldia an die überragenden Leistungen der Vergangenheit nur leidlich anschließen konnte, hing das Team entsprechend durch.
2006 begann etwas freundlicher als das Vorjahr. Sanchez sorgte schon bei der ersten Rundfahrt für PT-Zähler, aber Euskaltel war auch das letzte PT-Team, das einen Sieg erzielen konnte. Anfang April durfte man diesen bestaunen. Wenn man zu Sommerbeginn ein Resümee gezogen hätte, hätte man unweigerlich festgestellt, dass Euskaltels Erfolg eng mit dem Namen Sanchez verbunden war. Wäre dieser Fahrer ausgefallen, wäre Ebbe in der PT-Punktekasse zu verzeichnen gewesen. Und es gibt nicht wenige Kritiker, die der Equipe die sportliche Zugehörigkeit zur obersten Rennserie absprechen.
Doping-Affäre Fuentes
Im Zuge der Ermittlungen gegen den Arzt Eufemanio Fuentes gerieten auch einige Profis von Euskaltel in den Verdacht, Kunden von dem ehemaligen Arzt von Liberty Seguros gewesen zu sein. Genannt wurden Mayo und H. Zubeldia. Es blieb bei den Verdächtigungen. Daran hat sich bisher nichts geändert.
Pro Tour
Den ersten PT-Punkt konnte Euskaltel im Vergleich zum Vorjahr bereits im März (und nicht erst im Mai/Juni) realisieren. Sanchez, der aufstrebende Star des Teams, belegte bei der dritten Etappe von Paris-Nizza den dritten Rang und verschaffte sich damit eine gute Ausgangslage, um in Nizza gar auf das Abschlusspodium zu gelangen. Dieses verfehlte er knapp, da er am Abschlusstag einen Angriff von Antonio Colom nicht adäquat konterte. So wurde er Vierter und kam etwas unverhofft zum Sieg in der Punktwertung, weil der Führende in dieser Wertung, Tom Boonen, während der letzten Etappe ausstieg. H. Zubeldia belegte außerdem noch den 17. Gesamtrang.
Und wieder war es Sanchez, der für das Ansehen von Euskaltel bei baskischen Fans und beim Sponsor während der Heimatrundfahrt Vuelta A Pais Vasco sorgte. Auf Grund einer waghalsigen Fahrweise den Berg hinunter konnte er eine Ausreißergruppe erreichen und sorgte somit dafür, dass er einen kleinen Vorsprung vor dem Verfolgerfeld ins Ziel rettete. Bereits am nächsten Tag reichte er einen weiteren Etappensieg nach, als er als Erster die Zielankunft auf dem Berg erklommen hatte. Des Weiteren addierte er seiner Ausbeute einen zweiten Etappenrang hinzu. Diese Rundfahrt wandelte sich eigentlich zur „Vuelta A Samuel Sanchez“, wenn nicht das abschließende Zeitfahren gewesen wäre. Diese Disziplin zählte zu dem Zeitpunkt nicht zu seinen Stärken. Folglich büßte er den ohnehin minimalen Vorsprung vor der Konkurrenz ein und wurde Sechster im Gesamtklassement.
Da von den Basken bei den Kopfsteinklassikern nicht mehr als ein Pflichtauftritt zu erwarten war, euphorisieren die erzielten Rennergebnisse niemanden. Beim Amstel Gold Race und den anderen Ardennen-Klassikern erhoffte man sich aber schon das eine oder andere gute Resultat. Einmal mehr war Sanchez bester Euskalteler als 15. beim Amstel Gold Race. Die „One-Man-Show“ war aber nur kurz ins Stocken geraten. Der Baske feierte beim Fleche Wallone seinen größten Erfolg in einem Klassikerrennen, als er die Mur de Huy als Zweiter erklomm und weiter für Furore sorgte. Zudem war er in Katalonien – bei der Volta A Catalunya – bester Fahrer des Rennstalls als 13.
Eine Mannschaft ohne große Ambitionen wurde zum Giro entsandt. Kapitän sollte Laiseka sein, der im Spätherbst seiner Karriere ausgeguckt wurde, in Italien etwas auszurichten. Am ehesten wurde er auffällig, als er sich bei einer Bergwertung aus dem Hauptfeld löste, vor dem Peloton die Linie erreichte, aber dennoch nicht mit Zählern bedacht wurde, da bereits eine Kopfgruppe von vier Fahrern zuvor die Punkte unter sich aufgeteilt hatte. Ausgerechnet ein Sprinter schürte die Hoffnungen auf einen Platz auf dem Tagespodium. Koldo Fernandez de Larrea platzierte sich bei den Massenankünften weit vorne. Es langte bei der sechsten Etappe zu einem fünften Tagesrang.
Ein Negativcharaktistikum des Teams, die Sprintschwäche, war also ausgemerzt worden, ein anderes blieb – das Problem im Zeitfahren. Beim Mannschaftszeitfahren erreichte die Equipe den 22. und letzten Platz.
Nach dem sturzbedingten Ausscheiden von Laiseka waren fast alle Optionen auf einen Platz im Klassement unter den ersten Zwanzig geschwunden. David Lopez rückte zwar Platz für Platz auf, aber er büßte wohl seine Chancen auf einen vorderen Platz in der Gesamtwertung ein, als er sich einer Fluchtgruppe bei der 18. Etappe nach Gemona del Friuli anschloss. Kurzzeitig sah es zwar so aus, dass er diesen Abschnitt gewinnen könnte, aber er wurde noch gestellt und kam auf den vierten Platz. Nach dieser Episode hatte er offensichtlich Kraft gelassen, so dass er in der Gesamtwertung absackte. Iker Flores wurde als 35. Teambester.
Die Dauphine Libéré läutet die heiße Vorbereitungsphase für die Tour de France ein. Euskaltel setzte für die Rundfahrt erneut auf Mayo. Auch aus Mangel an Alternativen wurde er mit der Kapitänsrolle ausgestattet, die ihm bei erfolgreichem Abschneiden auch für die Tour angetragen werden sollte. 2004 gewann er diese Rundfahrt, diese Saison hätte ein Lichtblick schon völlig ausgereicht. Zunächst fiel er nicht weiter auf. Erst auf dem Weg zum Col d´Izoard zeigte er alte Qualitäten. Er schloss sich der Spitzengruppe an und belegte den zweiten Etappenrang. Bei der sechsten Etappe dann rehabilitierte er sich vollends mit dem Sieg in La Toussuire. Im Klassement findet man ihn zwar erst auf Rang 15, aber ein Anfang schien gemacht. Zumindest war er der zweite Fahrer seines Teams, der sich über PT Zähler freuen durfte.
Der dritte sollte Herrero werden. Bei einer Flachetappe der Tour de Suisse setzte er sich zusammen mit Angel Vicioso ab und erreichte mit geringem Vorsprung das Ziel, wo allerdings Vicioso die Oberhand behielt. Bei der achten Etappe belegte er neuerlich den zweiten Platz. Dieses Mal allerdings konnte er sich zusammen mit Cadel Evans kurz vor dem Ziel aus einer größeren Spitzengruppe absetzen, während Alberto Contador jedoch bereits uneinholbar führte. Bei beiden Zielankünften blieb in Erinnerung, dass der Baske seinen Lenker aus Ärger über den verpassten Sieg malträtierte. Im Klassement belegte der aufstrebende Star der Basken den 19. Rang.
Die Tour de France stellte – wie bei vielen anderen Teams – ein großes Fixum für Euskaltel dar. Trotz der schlechten Resultate 2004 und 2005 erhielt Mayo wieder das Vertrauen der Leitung. Er hielt bis zur zehnten Etappe durch und stieg dann aus, ohne anzudeuten, dass er in die Entscheidung eingreifen könnte. Dafür stachen einige seine Stallgefährten hervor.
Der Rennstall war bisher nicht für starke Sprinter im Peloton bekannt. Zwar fiel in der Vergangenheit der eine oder andere Fahrer durch Achtungsergebnisse bei Massenankünften auf (z.B. Fernandez beim Giro), dennoch sucht man sie meist eher vergeblich im Vorderfeld bei Sprint Royales. Eine Ausnahme stellte das Abschneiden von Iñaki Isasi bei der fünften Etappe von Beauvais nach Caen dar. Er hielt im Finale rein und erreichte den dritten Rang. Damit sicherte er sich drei Punkte für die PT-Wertung.
Auch Landaluze erreichte einen dritten Platz. Dieser kam bei der zehnten Etappe von Cambo-les Bains nach Pau zustande, als er als Solist, das Führungsduo Juan Mercado-Cyrille Dessel nicht mehr erreichte. Zunächst gehörten die drei einer Ausreißergruppe an, die sich aber im Verlauf des Tages selber dezimierte.
Durch den Ausstieg von Mayo verdeckt und ansonsten bei den Zielankünften in den Bergen durch solide Leistungen im Hintergrund bleibend, schaffte H. Zubeldia den neunten Platz im Klassement. Damit rehabilitierte er sich für zwei magere Jahre seit der Tour 2003. Das lässt hoffen, dass er nun zur alten Form zurückgefunden hat. Zumindest bei der Tour de Romandie ließ er zuvor schon erkennen, dass er das Radfahren nicht verlernt hat – Platz 16.
Das nächste Highlight im Rennsportkalender des Teams stand mit dem Rennen Klasika San Sebastian auf dem Programm. Mayo und Zubeldia zählten zeitweise zu Ausreißergruppen, aber letztlich hatte das Team, bei dem besonders Sanchez enttäuschte, mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun.
Die Vuelta war die Rundfahrt, bei der Euskaltel unter Zugzwang geriet. Endlich war es mal an der Zeit, der etwas mickrigen Ausbeute an guten Resultaten einige weitere folgen zu lassen. Insgeheim hoffte man, dass Mayo endlich mal wieder zu alter Stärke zurück fand. Er ließ sein Können zwar aufblitzen, aber es folgte die alte Leier. Über eine gute Gesamtplatzierung kann man nicht sprechen.
Landaluze deutete bei der elften Etappe von Torrelavega nach Burgos aber an, dass das Team doch noch da war. Er war einer der Ausreißer, die eine dreizehnköpfige Spitzengruppe bildeten. Am Ende schaffte er den dritten Platz.
Aber Sanchez blieb es vorbehalten, für den ersten Sieg bei der Vuelta zu sorgen. Im welligen Finale von Guadalajara nach Cuenca (13. Abschnitt) setzte er seine Qualitäten im Abstieg des Berges gekonnt ein und nutzte den Schwung aus der Abfahrt zum Tageserfolg. Mit einer Bergankunft ging die 16. Etappe (Almería - Observatorio Astronómico de Calar Alto) zu Ende. Dabei schlug Igor Anton Kapital aus der Situation, dass sich die Favoriten Alejandro Valverde und Alexander Vinokourov belauerten. Auf dem Weg zum Gipfel setzte er sich ab. Den größten Erfolg seiner Karriere feierte er, als er als Tagessieger über den Zielstrich fuhr. Sanchez wurde übrigens Vierter.
Bei der 17. Etappe von Adra nach Granada schaffte Sanchez den dritten Platz. Sein Abstand auf die Führenden in der Gesamtwertung war aber zu groß, als dass er noch Ansprüche auf das Podium anmelden konnte. Für seine Qualitäten im Kampf gegen die Uhr ist Sanchez nicht gerade bekannt. Bei der Baskenland-Rundfahrt war diese Disziplin Schuld daran, dass er die Rundfahrt nicht gewann. Bei der Vuelta aber gab er bei der 20. Etappe in Rivas Vaciamadrid so gesehen eine Galavorstellung. Er wurde überraschend Zweiter, auf einem Kurs den ein Beobachter nach den Einlassungen von Rubén Pérez und nicht zuletzt des Fahrers selbst als sehr wellig mit vielen rasanten Abfahrten beschreibt. Es war offenkundig kein typischer Zeitfahrkurs, der Sanchez natürlich gelegen kam. Damit verteidigte er seinen siebten Rang im Klassement. Aber noch ein zweiter Euskaltel-Fahrer gelang der Sprung unter die ersten 20 der Rundfahrt – Anton wurde 15, während die ehemaligen Anführer des Teams H. Zubeldia und Mayo einträchtig Platz 34 und 35 belegten.
Die Polen-Tour gehörte sicherlich nicht zu den Hauptinteressen des Rennstalls. Das verwundert nicht, da ja zeitgleich die Vuelta stattfand. Lediglich der Sprinter Fernandez durfte sich Chancen auf gute Ergebnisse ausrechnen. Er konnte im Konzert der endschnellen Fahrer gut mithalten und schrammte nur knapp am Tagessieg vorbei. Ein dritter Etappenrang entschädigte ihn für seine Bemühungen.
Dir PT Saison war damit noch nicht beendet. Die Herbstklassiker standen auf dem Programm, bei denen Chancen für Sanchez bei Zürich-Metzgete und der Lombardei-Rundfahrt bestanden. Es blieb ihm in der Schweiz vorbehalten, die Kapitänsrolle zu beanspruchen. Er zählte zu einer Spitzengruppe, aus der er ca. 12 Kilometer vor dem Ziel alleine attackierte. Einer furiosen Fahrweise hat er es zu verdanken, dass er schließlich mit 30 Sekunden Vorsprung das Rennen gewann. Ausgerechnet nach der Vuelta und außerhalb Spaniens wurde der größte Saisonerfolg von Euskaltel möglich. Auch für den Sportler war es bislang der größte Sieg in seiner Karriere.
Er startete auch in der Lombardei. Sanchez zählte erwartungsgemäß zur Gruppe der Favoriten, die den Sieg unter sich ausmachte. Die entscheidende Attacke von Paolo Bettini verpasste er jedoch. Er gehörte aber zur Verfolgergruppe und nutzte die Streckenbeschaffenheit, die seiner Fahrweise entgegen kam, da es mehrfach bergab ging. Er konnte den enteilten Fabian Wegmann erreichen und im Spurt um den zweiten Rang bezwingen. Beachtenswert auch der 20. Rang von Anton.
Outside Pro Tour
Die Basken starten traditionell stets mit Zurückhaltung in die Saison. Es wurde nicht klar, ob dieser Beginn gewollt oder ungewollt entsprechend erfolglos verlief. Von daher stritten sich andere Teams um die Siege. Die Mannschaft aus dem Norden Spaniens war das letzte aller PT Teams, das einen wie auch immer gearteten ersten Platz im Jahr 2005 erzielte, sieht man von Sonderwertungen wie bei Sanchez (Paris-Nizza) absieht.
Der Rennstall erwehrte sich stattdessen, wie oben schon angesprochen, Dopinganschuldigungen, die im Falle von Aitor Gonzalez zur Kündigung führten. Landaluze, Triumphator beim Dauphine Libere 2005, musste sich auch mehr der eigenen Rechtfertigung widmen, als dass er gegnerische Angriffe parieren durfte. Denn auch an der Rechtmäßigkeit seines Überraschungserfolges waren nachträglich Zweifel entstanden. Letztlich wurden beide Fahrer aber gerichtlich freigesprochen.
Bei der Trofeo Calvia (1.1) gab es mal sportliche Erfolgsmeldungen. Isasi belegte immerhin den dritten Rang, so dass ein oranges Trikot zumindest andeutungsweise auch mal weiter vorne zu sehen war.
Bei der Vuelta A Castilla-Leon (2.1) sorgte der Aketza Peña bei der Abschlussetappe immerhin für den zweiten Platz, während man sich bei den ersten spanischen Etappenrennen zurückhielt. Für ein Team, das seine Ziele vornehmlich bei Rundfahrten zu realisieren glaubt, stellt dieses Faktum nicht gerade ein Qualitätsmerkmal dar. So war das beste Ergebnis einer mehrtägigen Rundfahrt neben dem Resultat von Sanchez bei Paris-Nizza der vierte Gesamtplatz von Isasi bei der Vuelta A Andalucia (2.1) im ersten Quartal des Jahres.
Anfang Juni stand die Euskal Bicicleta (2.HC) auf dem Programm. Schon aufgrund der Herkunft von Euskaltel-Euskadi gerät sie für die Equipe in den Mittelpunkt des Interesses. Für die Fahrer bedeutete diese Veranstaltung zudem eine willkommene Angelegenheit, sich für ausgebliebene Erfolge zu rehabilitieren. Zu denen, die einiges bis zum Veranstaltungsbeginn in der Saison schuldig blieben, zählte Herrero. Er versuchte, in die Tagesentscheidung beim Auftakt einzugreifen, aber gegen den späteren Sieger Koldo Gil war kein Kraut gewachsen. Immerhin langte es für den zweiten Platz.
Der Protagonist der baskischen Truppe, Sanchez, probierte sich bei der zweiten Etappe. Aber zwei seiner Gegner taktierten besser, und er belegte hinter denen den dritten Rang. Bei der dritten Etappe war es wieder Herrero, der mit dem dritten Tagesrang vorlieb nehmen musste. Auch im Zeitfahren musste er sich mit dem identischen Ergebnis abfinden. Bei der Abschlussetappe setzte er sich jedoch ab und fuhr den dritten Saisonsieg von Euskaltel ein. Erstmals hieß ein Gewinner aus dem Team nicht Sanchez. Im Abschlussklassement musste er sich aber damit begnügen, dass einer besser war als er.
Bei der Burgos-Rundfahrt (2.HC) erreichte Herrero einen zweiten Rang im Kampf gegen die Uhr. Im Klassement belegte er den vierten Rang. Die Gesamtwertung gewann sein Stallgefährte Mayo, der auch eine Etappe mit Bergankunft holte. Warum Mayo nicht annährend in der Lage war, eine ähnliche Performance bei der Tour de France zu entwickeln, bleibt wohl sein Geheimnis.
Stattdessen gewann er ein Eintagesrennen. Bei der Subida a Urkiola (1.1) nutzte er den Elan vom Vortag, als er einen Fluchtversuch bei der Klasika San Sebastian nicht mit dem Sieg krönen konnte. Bei diesem Rennen profitierte der Baske der guten Zusammenarbeit seines Teams. Mayo setzte sich schließlich ab und kam 45 Sekunden vor Ricardo Serrano im Ziel an. Euskaltels Dominanz wird durch den dritten Rang von Anton untermauert, aber auch Antton Luengo glänzte mit einem sechsten Rang.
Ein letztes Schmankerl lieferte Anton zum Saisonausklang bei der Escalada A Montjuich (1.2). Dieses prestigeträchtige Rennen für spanische Verhältnisse gewann er recht souverän.
Nationale Meisterschaften und Weltmeisterschaft
Die spanischen Titelkämpfe wurden von dem Streik der Fahrer überschattet, die ein Ausfahren des Meisters auf der Straße verhinderten. Lediglich im Zeitfahren wurde der Titel vergeben. Die Fahrer von Euskaltel zählen nicht zu den starken Fahrern im Kampf gegen die Uhr. Dennoch platzierte sich Herrero auf dem dritten Rang.
Sanchez zählte zum Aufgebot bei der Straßen-WM in Salzburg – wie auch Unai Etxebarria für die venezolanische Nationalmannschaft in die Pedalen trat. Der Spanier hatte die Aufgabe, Valverde zu unterstützen. In der entscheidenden Phase zählten beide zum Quartett, das sich einen kleinen Vorsprung vor dem Hauptfeld erarbeitet hatte. Sanchez lancierte zwar den Sprint für Valverde, aber Paolo Bettini und Erik Zabel waren schneller. Sanchez belegte den respektablen vierten Rang.
Zwischen die Speichen gesehen…
Die Teamverantwortlichen von Euskaltel-Euskadi, namentlich Manager Miguel Maradiaga und Sportdirektor Julian Gorospe, sehen die Stärken ihres Rennstalls bei den Rundfahrten. Dieser Ansicht kann größtenteils nach dieser Saison zugestimmt werden, auch wenn diese Annahme nicht durch besonders viele Klassementplatzierungen untermauert werden kann.
Bei den Eintagesrennen gab es neben zwei Siegen noch einen zweiten und zwei dritte Plätze 2006 zu notieren. Ein Sieg und ein zweiter Platz wurden bei PT-Wettbewerb erzielt und waren gleichbedeutend mit den einzigen Platzierungen bei PT-Klassikern in den Top Ten. Die Klassementergebnisse fallen aber dazu im Vergleich noch dürftiger aus. Auf dem Podium nach einer Rundfahrt standen nur zwei Fahrer. Mayo gewann die Asturien-Rundfahrt, während Herrero den zweiten Platz bei der Baskischen Woche belegte. Und in der PT gab es nur eine Top Five-Platzierung durch Sanchez. Dafür schafften die Fahrer der baskischen Equipe bei vier Etappenrennen Platzierungen, die PT-Zähler einbrachten.
Etwas freundlicher gestaltet sich allerdings die Auswertung der einzelnen Etappenergebnisse. Immerhin fünf PT-Etappen wurden gewonnen, insgesamt gab es 16 Platzierungen unter den ersten dreien. Bei zwei GT-Etappen siegten die Euskalteler, wobei sich mit Anton ein Emporkömmling zeigte. Er rangiert auch im Klassement einer allerdings nur mäßig besetzten Vuelta auf einem PT-Rang. Man wird sehen müssen, ob er künftig in der Lage ist, zu einem Kopf der Truppe zu werden. Nach dieser Saison ist Sanchez vorerst der einzige wirkliche Leader der Truppe. Ohne ihn hätte es nicht viel zu strahlen gegeben. Neben der PT gab es nur noch drei weitere Etappenerfolge.
Mit 11 Siegen (ohne Escalada Montjuich) in der Saison fällt die Bilanz des Teams sehr mager aus. So wenig hatte keine andere Truppe aus der Premier Leaque der Radsportler. In der PT Teamwertung landete man auf dem 17. Platz. Trotz der drei Podiumsbelegungen von Sanchez bliebe gar nur der letzte Platz, wenn man nur die Starts bei den Klassikern besieht. Insgesamt acht Fahrer sind in der Einzelwertung zu finden. Damit ist man nicht das schlechteste Team. Sie sammelten 283 Punkte, damit wäre man 14. im Vergleich zu den anderen Rennställen geworden.
Wie sehr man aber von dem Abschneiden von Sanchez abhängt, belegt sein 2. Rang in der PT-Wertung. Er strich 213 Punkte ein. Nur 70 weitere PT-Zähler verteilen sich auf die übrigen Fahrer, weshalb die Meinung, dass Euskaltel eigentlich nicht in die PT gehört, weitere Nahrung erhält, da auch die Muffeligkeit bei der geringen Menge an Tagessiegen auffällt. Manchmal bleibt unklar, welche Ziele die Equipe mit ihrer Teilnahme an der PT verfolgt – das gilt besonders aber nicht nur für die Kopfsteinklassiker. Im Gegensatz zu Francaise des Jeux und Bouygues Telecom allerdings schaffen die Akteure auch mal gute Resultate außerhalb ihres Heimatlandes (von Florencios Sieg in San Sebastian abgesehen).
Übrigens: Zubeldia ist als zweiter Euskaltel-Fahrer auf dem 72. Platz zu finden. Hoffnungsträger Anton wurde 108. Landaluze (138.) und Mayo (149.) folgen. Herrero (165.), Flores (175.) und Fernandez (204.) komplettieren das Oktett in der PT.
Top Acht
Sanchez – Zubdelia – Anton – Mayo – Herrero – Landaluze – Isasi – Fernandez
1. Samuel Sanchez: Er räumte mit zwei Etappensiegen bei der Baskenland-Rundfahrt und mit dem zweiten Rang beim Fleche Wallone im Frühjahr ab. Bei der Vuelta wurde er Siebter und schaffte einen Etappensieg. Schließlich triumphierte Sanchez noch in Zürich und wurde bei der Lombardei-Rundfahrt Zweiter. Wo stände Euskaltel ohne den „unechten Basken“, der Zweiter in der PT wurde?
2. Zubeldia: Er wurde bei der Tour Neunter und deutete an, warum er 2003 noch weiter vorne in Frankreich landete.
3. Anton: Eine Bergankunft bei der Vuelta gewann er und wurde 15. bei der Landesrundfahrt. Ihm könnte die Zukunft gehören, aber solche Hoffnungen hatte man auch bei anderen Fahrern schon geäußert.
4. Mayo: Licht und Schatten wechselten sich ab. Bei der Tour und Vuelta mal wieder Totalausfall, dafür gelang ihm aber ein Etappensieg bei der Dauphine Libéré. Als Rundfahrtskapitän bei der GT ein Auslaufmodell, dafür aber blitzte sein Können bei der Asturien-Rundfahrt als Sieger auf.
5. Herrero: Bei der Tour de Suisse fehlte das Quäntchen Glück für einen Etappensieg, zeigte aber bei der Baskischen Woche, dass er es kann.
6. Landaluze: Den Anspruch, als Kapitän die Meriten bei Rundfahrten einzufahren, konnte der Gewinner der Dauphine Libéré 2005 erwartungsgemäß nicht untermauern. Dafür gab es zwei dritte Etappenränge bei GTs.
7. Isasi: Seine unermüdlichen Bestrebungen nach PT-Punkten wurden bei der Tour de France belohnt. Einmal Etappendritter.
8. Fernandez: Er ist vielleicht die baskische Hoffnung für künftige Sprint Royales.
Keine Gnade fanden
* Laiseka: Eine ansprechende Karriere geht zu Ende. Erntete Lacherfolge bei seinem verhinderten Gewinn der Bergwertungspunkte beim Giro – ansonsten durch Verletzung gehandicapt.
* Gonzalez: Wo war Gorka 2006?
* Camaño: Er nutzte nicht die Chance, sich auch mal in den vorderen Positionen zu zeigen. Platz 34 bei der Tour de France.
__________________ o.T.
|