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Geschrieben von Michelin-Männchen am 07.11.2002 um 10:37:

  SPORT1 - Betreff: Bekenntnis

KeinSeriensieger schrieb am 21.06.2001 09:21
Betreff: Bekenntnis



Auch ich gehöre zu der weit überwiegenden Zahl der
Radsportler die schon einmal (ok, ich gestehe nicht nur
einmal *ggg*) Geld genommen haben, damit ich einem
anderen Fahrer der nicht für mein Team gefahren ist,
den Sieg ermöglicht habe bzw. nicht selbst um den Sieg
gefahren bin. Dies ist weder unüblich noch unehrenhaft
oder auch nur unsportlich.

An der Sache ist auch überhaupt nichts verwerfliches.
Um gleich irgendwelchen Vermutungen zuvor
zukommen, es wurden und werden keineswegs die
Mehrzahl der Rennen "verkauft". Erstens eignet sich
nicht jeder Rennverlauf zum "verschieben", 2. kann man
sich nicht immer auf einen Preis einigen, 3. will man ja
auch nicht mit jedem "Geschäfte" machen und 4. beruht
das ganze schon irgendwie auf Gegenseitigkeit. Es ist
doch für alle Beteiligte von Vorteil, wenn ich z.B. einen
Fahrer aus XY bei seinem Rennen in XY den Sieg
ermögliche. Der Veranstalter ist happy über einen
Einheimischen Sieger, der Fahrer konnte sich seinem
Sponsor, seiner Familie, Freundin und seinem
Freundeskreis vorne präsentieren und bekommt
sicherlich noch die eine oder andere Extraprämie, weil
er im Heimatrennen so gut gefahren ist. Natürlich wird
mich XY bei meinem Heimatrennen dann ebenfalls nach
Kräften unterstützen. Jeder der Rennen gefahren ist,
weiß wie schwer es ist, sein Heimatrennen zu
gewinnen, aber es ist auch irgendwie der schönste
Erfolg. Man wird automatisch von den anderen Sportler
noch genauer beobachtet, weil jeder weiß, dass man
sich für das Heimatrennen besonders viel vorgenommen
hat.

Sicherlich fällt es auch viel leichter sich an die
ungeschriebenen Gesetze des Radsports zu halten,
wenn das noch mit einer kleinen Prämie anerkannt wird.

Meine persönliche Meinung zu den Vorwürfen zu Jan
und Richard ist, dass man die Vorwürfe in der
Öffentlichkeit wahrscheinlich wirklich dementieren muss,
da anscheinend niemand Verständnis für "notwendige"
Einigungen zwischen Rennfahrern hat. Insofern ist die
Informationspolitik von Jan und Telekom gar nicht so
schlecht wie ich dachte. Aber in meinen Augen ist da
auch nicht der Hauch von Korruption zu erkennen. Im
Gegenteil das bereichert die Rennen doch um eine
zusätzliche taktische Komponente. Mir ist es ja auch
schon passiert, dass ich in einer Spitzengruppe
gefahren bin und viel zu spät geschnallt habe, wer denn
da mit wem eine Koalition gebildet hat. Sicherlich ist
das im ersten Moment nach dem verpassten Sieg
ärgerlich, aber man lernt aus solchen Fehlern.

Die Möglichkeit der vereinsübergreifenden Koalitionen,
sichert letztlich auch einem Einzelfahrer bzw. einem
Fahrer aus einem schwachen Team überhaupt erst
konkurenzfähig zu sein.

Je professioneller die Teams werden, um so seltener
kommt es aber vor, dass Team übergreifende "bezahlte"
Zusammenarbeit durchgeführt wird. Insofern ist das bei
den GS1 und GS2 Teams wirklich kein Problem. Da
werden relativ wenige Rennen und
Etappen "verschoben". Weil man es ja schlecht dem
Sponsor vermitteln kann, das man sich von ihm und vom
Gegner bezahlen lässt. Aber wenn ich eine "Niederlage"
als moralisch gute Tat verkaufen kann und ich noch eine
Menge Anerkennung dafür in der Öffentlichkeit
bekomme, das ich auf einen möglichen Sieg verzichte,
warum soll man solch gute Taten nicht noch zusätzlich
belohnen lassen, sie schaden doch weder dem Sponsor
noch sonst irgend jemand. Jan hätte Richard sowieso
den Sieg überlassen "müssen", warum sollte er sich
gegen eine kleine finanzielle Anerkennung für seine
Großzügigkeit sperren. Die Medien und Zuschauer
waren nach dieser Bergetappe doch allemal glücklicher,
als nach den unleidlichen Diskussionen zwischen
Pantani und Lance. Wenn Lance von Pantani eine kleine
Anerkennung für den Etappensieg vor dem Ziel gefordert
hätte und Pantani wäre der Meinung gewesen es nicht
nötig zu haben etwas zu zahlen, hätte Lance mit reinem
Gewissen ihn im Endkampf niederringen können. Lance
traue ich soviel Verstand zu, dass er keinen
unangemessenen Betrag verlangt hätte. Diese ganze
blöde Diskussion wer der stärkere gewesen ist, wäre
uns genau wie 97 erspart geblieben.

Für mich persönlich war das erste Rennen, dass
ich "verkaufen" konnte ein genauso großer persönlicher
Erfolg, wie der erste Sieg. Schließlich muss man schon
ganz schön stark vom Gegner eingeschätzt werden,
damit man überhaupt ein Rennen verkaufen kann.

Unehrenhaft und sportlich verwerflich ist es aber das
Geld das man durch fremde Koalitionen verdient, nicht
mit den Kameraden zu teilen, mit denen man
zusammen in eine Kasse fährt. Im übrigen fährt man
zwar meistens mit Mannschaftskameraden in eine
Kasse, aber es kommt auch des öfteren vor, dass man
vor Rennen, bei denen z.B. nur alleine oder nur mit zu
schwacher Mannschaft startet kurzfristig noch ein oder
zwei fremde Fahrer beteiligt. Das ist immer eine
schwierige Entscheidung, je größer die Mannschaft ist,
desto höher steigen die Chancen auf Prämien und
Platzierungsgelder, umgekehrt bleibt aber immer
weniger für den einzelnen Fahrer übrig.



KeinSeriensieger schrieb am 21.06.2001 10:25

Betreff: logisch!
Wenn man die Preisgelder kennt, wird das Verhalten
logisch und nachvollziehbar. Halbes Platzierungsgeld für
den Sieg + Platzierungsgeld für 2.Platz ist wesentlich
mehr als nur die Siegprämie. Außerdem glaubt man
selbst vielleicht sicher der stärkere zu sein, aber die
Sicherheit gibt es halt doch nie 100 %. Der andere
könnte ja z.B. die Führungsarbeit soweit reduzieren,
dass sich der andere vorne mehr arbeiten muss und
dadurch seine Siegchancen anheben oder die Arbeit
ganz verweigern.

Außerdem ist es nicht ganz so einfach dem anderen
wegzufahren, auch wenn man stärker ist. Es ist es zu
zweit wesentlich einfacher nicht eingeholt zu werden,
das Risiko vom Feld gestellt zu werden, ist wesentlich
größer wenn man alleine unterwegs ist.

Das müssen schon total erfolgsgeile Fahrer sein, die die
ganze Prämie abtreten, das Geld für den 2. Platz hat er
doch sicher und außerdem war er garantiert nicht
vollkommen chancenlos.

Teilen der Siegprämie ist auch der übliche Preis in einer
solchen Situation. Zumindest habe ich noch nicht
mitbekommen, dass heute andere Preise bezahlt
werden.


KeinSeriensieger schrieb am 21.06.2001 15:37

Betreff: Stellungnahme
Zuschauer sind cleverer als Du denkst, zumindest
Zuschauer von regionalen Rennen, die wissen genau wer
für wen fährt. Natürlich sehen die Zuschauer, wer für XY
die Löscher zugefahren hat, das Feld kontrolliert hat, als
er zu den Wertungspunkten unterwegs war oder ihm die
Schlusswertung angefahren hat. Die laden denjenigen
dann auch zur Siegesfeier ein und manchmal bekommt
man sogar noch die ein oder andere Sympathieprämie
gestiftet. Die erkennen durchaus an, wenn man sich
für "ihren" Liebling einsetzt und man wird nach dem
Rennen von denen für die gute Unterstützung gelobt. Mir
ist doch dann kein Zacken aus der Krone gefallen, wenn
ich dann gesagt habe: "Nein, nein, der Sieg von XY geht
schon in Ordnung, schließlich soll der beste Mann
gewinnen und er war heute der Beste!" Sorry, auch mit
der (eventuell gekauften) Unterstützung von 2 fremden
Fahrern ist es super schwer sein Heimatrennen gegen
100 weitere Fahrer zu gewinnen, von denen hängen
einem ja 1/3 ständig am Rad. 3 Mann gegen 97 ich
kann da keine unfaire Koalition der 3 Mann erkennen
und Betrug am Zuschauer schon gar nicht.

Bei den Zuschauern sind nicht diejenigen Fahrer
verhasst, die andere mehr oder weniger selbstlos
unterstützen, sondern die Fahrer, die sich als reine
Verhinderer betätigen und von denen gab und gibt es
mehr als genug. Sportler die selbst nicht die Initiative
ergreifen, sondern immer "nur" mitfahren und dann um
Prämien und Wertungen mitsprinten.

Außerdem werden die Rennen doch noch viel
interessanter, wenn 2 oder 3 Koalitionen um Geld, Sieg
und Ehre fahren. Auch hier im Forum ist doch die
Mannschaftstatik der verschiedenen Profiteams ein
beliebtes Diskussionsthema. Wie werden denn die
Mannschaften von Jan oder Lance zusammengehalten?
Die fahren doch auch nicht für Ihren Kapitän, weil der so
ein netter Mensch ist, es geht doch auch dort mit Geld,
wo ist da der Unterschied zu einem Amateurfahrer der
halt vor oder auch mal im Heimatrennen seine
Mannschaft verstärkt.

Noch ein Beispiel für eine Absprache die von keinem der
Beteiligten geleugnet wird. Als Moser und Thurau um die
WM gefahren sind, haben sie sich auch vor dem Ziel
darauf geeinigt, dass der Vizeweltmeister nicht leer
ausgehen soll. Der Titel wurde trotzdem ausgefahren,
der Sieger Moser hat dem unterlegenen Thurau lediglich
an seinem finanziellen Erfolg beteiligt.

So funktioniert doch jeder Mannschaftssport
irgendjemand opfert eigene Chancen um die Chancen
des anderen zu erhöhen. Solange ich nicht als
Doppelagent rumfahre und quase meine eigene
Mannschaft verrate, sehe ich da absolut nichts
unmoralisches.

Um es nocheinmal klar zu stellen, es wird nur ein
verschwindend geringer Teil der Rennen "verschoben",
d.h. der Fahrer mit den größten Siegchancen (z.B.
ich) "verkauft" den Sieg an einen anderen (z.B. XY).
Wobei man nicht vergessen darf, das XY dann letztlich
alle anderen Fahrer bis auf meine Wenigkeit im Rennen
schlagen muss. Bei 100 Startern manipuliert er seine
rechnerischen Siegchancen von 1 auf 2% nach oben.



KeinSeriensieger schrieb am 21.06.2001 16:07

Betreff: Stop!
Bei Profis kommt das extrem selten vor und im
Massensprint ist das schlichtweg auch im
unterklassigen Bereich nicht möglich. Da kann man sich
maximal jemand kaufen, der den Sprint anfährt, aber
garantiert keinen der den Sprint dann im Fotofinish
verliert.

Man sollte das etwas differenzierter sehen, aber
anscheinend ist das in diesem Forum schwer zu
vermitteln. Bei kommerziellen Teams (ab Radbundesliga
aufwärts über GS3, GS2 und GS1) sind die finanziellen
Interessen des Teams so groß, dass Teamübergreifende
Koalitionen die mit Geld funktionieren schlichtweg nicht
mehr machbar sind. Da gebe es richtig Ärger mit dem
Sponsor (zu Recht). Im unterklassigen Bereich ist eine
teamübergreifende Zusammenarbeit eine Notlösung um
für Chancengleichheit zu den starken Teams zu sorgen.

Absprachen zwischen Fahrern die das gleiche Trikot
tragen sind korrekt und Absprachen zwischen Fahrern
die zufällig nicht das gleiche Trikot tragen sind kriminell?
Naja, das sehe ich persönlich etwas anders.

Fahr ein einziges Rennen, dann weisst wofür Rennfahrer
trainieren. Die Geschäfte machen im übrigen nicht der
105 und der 106 sondern nur die ersten 10 und da muss
man erst einmal hinkommen.

KeinSeriensieger schrieb am 22.06.2001 22:47

Betreff: Bestätigung
und glaubst Du immer noch nur der "böse"
KeinSeriensieger, Rolf Sörensen und M. S. und P. R.
verkaufen und kaufen teamübergreifende Unterstützung
(oder auch mal ein ganzes Rennen). Der unheimlich
glaubwürdige R.V. (das lange leugnen der Festina-
Praktiken spricht meiner Ansicht nach nicht für R.V.
und Roussel erscheint mir eher glaubwürdiger)
und "unser" Jan (Telekomfahrer, muss ja durch und
durch einfältig und naiv sein, Fahrer wie Henn, Ampler
und der Däne können den Heiligenschein der über dem
Team schwebt Deiner Meinung ja nicht beschädigen)
machen so etwas Deiner Ansicht nach nicht.

Wenn ein Fahrer nicht weiss was ein Rennen kostet, ist
es für mich ein sicheres Zeichen, dass ein Fahrer noch
nie vorne gefahren ist. Jeder der vorne fährt, kennt die
Preise. Ich sage hiermit nicht, dass jeder teamfremde
Unterstützung kauft oder verkauft, aber ein Fahrer der
ernsthaft behauptet er hätte von solchen Praktiken noch
nie etwas gehört, hat sicher auch noch nie von
Dopingproblemen im Radsport gehört. Also braucht sich
ja dann auch keiner darüber aufzuregen, weil es das ja
alles gar nicht gibt.

Kann mir einmal jemand erklären, warum die Teilnehmer
in diesem Forum von der Pressekonferenz von Frigo
enttäuscht waren? Die Wahrheit scheint doch hier
sowieso niemand zu interessieren, geschweige denn
dass sie akzeptiert würde. Man muss die Wahrheit ja
nicht gut oder als erstrebenswerten Zustand empfinden,
aber die Fans in diesem Forum stehen den soviel
kritisierten Hauptdarstellern (Profis) im vehementen
verleugnen der Realitäten in nichts nach. Nur haben die
Sportler eine bessere Entschuldigung, für sie geht es
um Geld und die Existenz. Für die Fans nur darum ob
sie sich für einen realitätsfremden Sport interessieren
bei dem es nur Engelchen gibt oder ob es nicht das ein
Kampf wie im "richtigen" Leben ist, mit allem drum und
dran.

Also mir hat sogar als kleiner Bub schon die
Nibelungensage gefallen, obwohl sich da auch nicht alle
genau an die Spielregeln (die mir mein Pfarrer eingeimpft
hat) gehalten haben. Warum sollten mir heute
Radrennen nicht gefallen, da gibt es doch auch alles
konzentriert zu sehen, heroischen Kampf, große Siege,
vernichtende Niederlagen, Verrat, Nibelungentreue und
nicht zuletzt auch unbezwingbaren Willen von Fahrern
die auch in aussichtsloser Situation immer und immer
wieder erneut angreifen. Natürlich muss es auch ein
paar Jungs geben, die im Hintergrund die Fäden ziehen,
aber selbst das ist doch noch interessant, weil die nicht
immer alle in eine Richtung ziehen. Was will man denn
mehr? Wer schaut denn im Fernsehen einen Krimi ohne
Kriminelle?

Welches Interesse sollte denn z.B. P.R. daran haben
sich selbst zu belasten, indem er zugibt, dass er daran
interessiert war bei Olympia Unterstützung
einzukaufen?

Ich bin mir sehr sicher, dass weder Roussel noch
Pascal von irgend jemand verklagt wird. Diese
Problematik will kein aktiver Fahrer oder Teamleiter dem
Gericht erläutern. Da die Kohle immer in den
Mannschaften geteilt wird, gibt es viel zu viele Mitwisser
bei diesen Geschäften und ein unzufriedenes
Exteammitglied, dass eine Existenz außerhalb der
Radsportwelt gefunden hat findet sich garantiert in fast
jedem Team.



KeinSeriensieger schrieb am 22.06.2001 23:22

Betreff: die anderen ...
dürfen sich doch nach Eurer Auffassung nicht
teamübergreifend verbünden, also sind sie chancenlos,
wenn sie sich an Eure Regeln halten. Wenn es eine
Koalition von Rabobank, Saecceo, Gerolsteiner, Team
Cologne, usw. ... geben würde, hätte es Telekom
zumindest deutlich schwerer. Aber wie soll eine solche
Koalition funktionieren, wenn sie keiner Geld in die Hand
nehmen darf. Wie will man sonst einen GS3 Fahrer
motivieren auf den ersten 50 km für andere und gegen
Telekom zu arbeiten und somit seine Chance von
0,nichts auf 0,gar nichts zu reduzieren, zumal er noch
seine Chance verspielt irgendwie fernsehwirksam und
dementsprechend sponsorwirksam nach 150 km ins
Bild zu fahren oder doch noch irgendwie unter die ersten
20 zu fahren. Drittbester nicht Telekomiker bei den
Deutschen, damit kann man bei Vertragsverhandlungen
schon etwas anfangen.

Aber nein, ihr wollt ja "ehrlichen" Sport und deshalb
solltet ihr dann auch abwarten, wer in der
Mannschaftssitzung von Telekom den dicksten Batzen
in die Hand nimmt oder vielleicht noch einen
Trostpreisbonus für eine Nichtnominierung bei der Tour
erhält.

Ich würde mir ja viel lieber ein "unsportliches" Rennen
anschauen, wo es eine richtige mit Geld
zusammengekaufte Opposition gegen Telekom gibt.
Auch wenn die schlechte Karten hat, zumindest gebe
es etwas mehr Kampf und die Sache wäre nicht ganz so
glar.



Geschrieben von Michelin-Männchen am 07.11.2002 um 10:40:

  SPORT1 - K3 und Übersetzungen - Checker, bitte aufmerksam lesen

KeinSeriensieger schrieb am 26.06.2001 21:51

Betreff: K3 und Übersetzungen
Trainingsinhalte

Mit der Übersetzung muss es kein Druckfehler gewesen
sein, ich vermute sogar dass es stimmt und werde es
jetzt auch allgemeinverständlich erklären.

Man kann K3 (Kraft mit Rad) trainieren. Ziel dieser
Trainingseinheit ist es die Kraft zu steigern und
keinesfalls einen Berg besonders schnell hochzufahren.
Hierzu wählt man eine übergroße Übersetzung und tritt
diese extrem langsam im Sitzen. Bei guter Trettechnik
kann man mit 40 Umdrehungen pro Minute (Umin) noch
ruhig auf dem Rad sitzen.

Wenn man den besagten Pass z.B. mit 39/21 70 (Umin)
hochfährt, fährt man z.B. etwas schneller, wie wenn
man mit 53/17 mit 40 (Umin) fährt. Dies kann man auch
sehr einfach selbst nachrechnen:

53 / 17 x 40 Umin = 124,7
39 / 21 x 70 Umin = 130,0

Wenn man noch die Entfaltung pro Radumdrehung
einrechnet kann man genau die Geschwindigkeit am
Berg errechnen.

Den Gotthard kann man z.B. im Krafttraining auch mit
der Scheibe hochfahren, natürlich macht man das nie im
Rennen, weil man einfach mit einer übergroßen
Übersetzung auf keine Tempowechsel reagieren kann.
Das ist so ähnlich wie bei einem Motor den man
untertourig fährt.

Die typischen K3 Trainingseinheiten sind normalerweise
Anstiege zwischen 4-5 % von ca. 5 km länge die man
dann mit 53 / 13 oder 53 / 12 hochfährt. Je nach
Trainingszustand kann man ein bis max. 4 mal einen
Berg entsprechend hochfahren. Zwischen den einzelnen
Steigungen (meist fährt man den Berg einfach nur
wieder runter) versucht man extrem rund und auch relativ
schnell ca. 110 (Umin) zu treten.

Mit diesem Training steigert man entscheidend die Kraft.
Allerdings sollte man mit diesem Training frühestens bei
den Junioren beginnen, weil es die Gelenke sehr stark
belastet. Auch bei hochtrainierten Fahrern ist K3 nur
dosiert im Training einzubeziehen, idealerweise
kombiniert man K3 Einheiten mit Schnelligkeitstraining
(in folgenden Trainingseinheiten, nicht am gleichen Tag)
um die Tritttechnik zu erhalten. Bei K3 Einheiten fährt
man mit maximaler Kraft aber nicht nur mit gemäßigtem
Einsatz vom Herzkreislaufsystem.

Das K3 Training selbst läuft nicht mit sehr hohem Puls
ab, in erster Linie schmerzt die Beinmuskulatur. Nach 2
bis 3 km fährt man in der Regel in schmerzfreien
Bereich und man konzentriert sich nur noch darauf mit
dem Oberkörper nicht zu taumeln (ich war leider immer
ein Taumler und habe nie so 100 % ruhig auf dem Rad
gesessen). Der Effekt des Trainings ist verblüffend
schnell spürbar und bei den ersten Anwendungen
überraschend positiv. Wenn man das K3 ordentlich
durchgeführt hat, hat man das unbeschreibliche Gefühl
überhaupt keinen Widerstand mehr am Pedal zu spüren,
man kann z.B. bei Solofluchten mit Gegenwind länger
dickere Übersetzungen drücken und man verliert
die "Angst" vor zu hohen Übersetzungen. Man
verschiebt die Schmerzgrenze 1 bis 2 Zähne nach unten.

Gerade bei Cheftheoretiker Checker im Forum hatte ich
eigentlich erwartet, dass er bei den Radsportbüchern
nicht immer den Trainingssystematik überblättert
sondern liest und durchaus mit den Grundzügen der seit
jahrzehnten erprobten Trainingssystematik vertraut ist.

Zum konkreten Artikel möchte ich anmerken, dass es
für Ausenstehende (wie z.B. mich) keinerlei
Rückschlüsse auf die Vorbereitung von Jan für die Tour
zulässt, dass er in der Lage ist ordentliches K3 Training
zu absolvieren. K3 trainiert jeder ernsthafte Radsportler
mehr oder weniger regelmäßig. Nur bei sehr hoher
Wettkampfdichte lässt es sich schlecht in das Training
integrieren, weil man nach K3-Training am nächsten Tag
nicht unbedingt die Beine zum gewinnen hat.

Vielleicht wäre es ganz interessant für ein paar
begeisterte Radsportfans hier im Forum, sie würden eine
Übertragung eines Rennens in DSF oder Eurosport
ausfallen lassen und sich stattdessen, eines der guten
Radsportbüchern lesen in denen allgemeinverständlich
auf 10 bis 20 Seiten die verschiedenen Trainingsinhalte
von GA1, EB, G2, SB u. K1, K2, K3 und K4 erklärt
werden. Dies würde sicher für den Eigenbedarf als
Hobbyfahrer auch nicht schaden, weil man mit richtig
strukturiertem Training auch mit sehr geringem Aufwand
seine Trainingsergebnisse gravierend verbessern kann.
Aber vor allem würde es vielleicht auch das Verständnis
für den ein oder anderen Rennverlauf und die gewählte
Taktik einzelner Fahrer ebenfalls verbessern und zum
allgemeinen Verständnis des Sports und des damit
verbundenen Trainings beitragen



Geschrieben von Michelin-Männchen am 07.11.2002 um 10:42:

  SPORT1 - Jan Ullrichs Training und Tourvorbereitung

KeinSeriensieger schrieb am 27.06.2001 10:19

Betreff: Vorbereitung
Die Vorbereitung von Jan ist auch nicht die Regel. Das
K3 Training macht man schwerpunktmäßig im Winter
und Frühjahr noch vor dem Intervalltraining, weil man es
ja bei relativ niedriger Belastung des Herz-
/Kreislaufsystems macht. Allerdings frischt man das K3
Training mehr oder weniger regelmäßig (zumeist einmal
alle 2 Wochen) auch während der Saison auf.

Insofern ist es weder ein gutes noch ein schlechtes
Zeichen das Jan das jetzt macht. Allerdings glaube ich
nicht, das Jan in diesem Jahr die Tour gewinnen kann.
Er hat noch keine überzeugende Leistung in schweren
Rennen oder Etappen gezeigt. Es ist zwar richtig, das
man sich bei konsequenter Vorbereitung auf einen
Saisonhöhepunkt nicht ständig alle Lichter
ausschließen kann. Aber die Meidung voller
Ausbelastung kann man auch anders interpretieren. Der
Formverlauf ist nuneinmal keine Gerade die gleichmäßig
von der Vorbereitungsphase zum Saisonhöhepunkt
verläuft. Die Form verläuft eher wellenförmig, mit
unterschiedlich langen und hohen Wellen. Ich bin davon
überzeugt, das Jan dieses Jahr in bessere Verfassung
als letztes Jahr bei der Tour antritt, allerdings erscheint
es mir wenig wahrscheinlich, dass der erste
Formhöhepunkt bei der Tour so stark und lang
ausgeprägt ist, dass es zum Sieg reicht. In der Regel ist
weder die erste "Welle" die höchste noch die stabilste.

Wenn man die Äußerungen des Teams aus dem Winter
und dem Frühjahr liest, erkennt man auch, dass die
Saison von Jan anders geplant war. Er sollte eigentlich
schon im Frühjahr (spätestens am Henningerturm)
einmal richtige Form unter Beweis stellen. Es ist auch
mental wesentlich einfacher in einem Wettkampf sich
voll auszubelasten, als im Training harte und überharte
Einheiten fahren zu müssen.

Es gibt kein besseres legales "Doping" für den Kopf als
Erfolge und gute Rennen. Sich an einer guten DM
hochzuziehen ist sicher nicht das gleiche, wie sich an
einem TdS-Sieg zu erinnern. Auch für das Team ist Jan
und seine ständigen Form- und Gewichtsprobleme ein
Unsicherheitsfaktor. Da kann man alles verdrängen wie
man will, irgendwann kommt der Gedanke bei dem ein
oder anderen Helfer hoch, ich fahr mir hier und schon
das ganze Jahr das weise aus den Augen und mein
Kapitän ist der große Unsicherheitsfakttor im Team.
Vino hat es doch schon schön bei der
Deutschlandrundfahrt gesagt. Es wäre leichter für das
Team, wenn der Kapitän nicht das große Fragezeichen
ist. Außerdem quält man sich sicherlich auch besser,
wenn man weiß der Kapitän macht genau wie ich alles,
aber auch wirklich alles (ich meine jetzt nicht Doping) für
den gemeinsamen Erfolg. Ein Vorbild für das Team ist
Jan mit Sicherheit nicht. Seine Motivationsproblemen
bestehen leider schon seit Jahren. Bis zu seinem ersten
Toursieg war Jan einer der motiviertesten Fahrer
überhaupt, dies ist seit dem leider nicht mehr so.

Überspitzt ausgedrückt, würde ich behaupten, das
absolute Feuer für die Sache ist in Jan erloschen und
deshalb kann er körperlich noch so gute
Voraussetzungen mitbringen er ist um es mit den
Worten von Boris zu beschreiben im Kopf nicht stark
genug. Um gleich falschen Vorstellungen vorzubeugen,
natürlich wird er während der Tour alles geben und sich
schinden und quälen. Aber es wird zu spät sein, er hätte
sich ein paar Monate früher schon einmal richtig quälen
müssen. Die Tour wird nicht nur im Juli entschieden.
Vielleicht wäre es für die Sache sogar dienlich wenn er
keine Podiumsplatzierung schaffen würde, sondern nur
als Fünfter in Paris einlaufen würde. Das gebe vielleicht
nocheinmal neue Motivation, sich weder im Winter noch
im Frühjahr die Kontrolle über das Gewicht zu verlieren
und den Druck es sich und der Welt noch einmal
beweisen zu wollen. Gerade die Geschichte beweist
doch, dass wirklich große Sportler nach unglaublichen
Tiefschlägen wieder zurückkamen. Johann M. und
Bernhard Hinault nach Knieproblemen und die beiden
Amis Lance Armstrong und Greg Lemond nach
Verletzungen die eigentlich jede Sportlerkarriere
zerstören. Der 2. Platz war vielleicht immer noch zu gut
für Jan.

Genau die Wettkampfhärte (auch in den Bergen) und
auch die mentale Gewissheit mit den Besten mithalten
zu können hat sich z.B. Lance bei den Rennen geholt.
Jan muss wieder psychisch von seinem Team aufgebaut
werden, deshalb auch die nur äußerst verhaltene Kritik
an den bislang wenig überzeugenden Leistungen von
ihm. Das nicht in den roten Bereich bei Rennen fahren,
macht insofern Sinn, weil Jan lediglich festgestellt hätte,
dass er zu diesem Zeitpunkt nicht vorne mitgefahren
wäre, auch wenn er alles gegeben hätte. Dann ist es
psychologisch einfacher zu glauben, das ist nicht gut für
mich, ich bereite mich auf die Tour vor und meine Zeit
kommt später. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es
sich am Start zum Bergzeitfahren der Tour in Lance
Kopf wesentlich besser aussieht. Er kann sich an
seinen grandiosen Auftritt bei der TdS erinnern und mit
größerem Selbstbewusstsein sagen "Ich fahre sie heute
alle in Grund und Boden." Jan wird da stehen ohne
Erfolg im Kampf gegen die Uhr in diesem Jahr im
Rücken.

KeinSeriensieger schrieb am 27.06.2001 20:48

Betreff: Zweckoptimismus
Wer soll denn an den Toursieg von Jan glauben, wenn
Team-Telekom schon den Glauben aufgegeben hätte?
Hier im Forum wären dann die letzten Optimisten
versammelt.

Jan ist z.B. im Gegensatz zu Richard V. auch nicht
geldgeil genug um aus der zweifellos extrem guten
Bezahlung seine Motivation schöpfen zu können.
Geltungsgeil ist er genauso wenig wie
größenwahnsinnig, an für sich sicher sehr gut, dass er
keine dieser Eigenschaften hat. Er ist deshalb auch
sicher menschlich gesehen ein äußerst umgänglicher
Typ. Aber gerade diese ganzen gute Eigenschaften
machen es letztlich unmöglich Jan von Teamseite unter
Druck zu setzen.

Außerdem ist wahrscheinlich der tatsächliche Glaube
im Team an einen Erfolg bei weitem nicht so groß, wie
die offiziellen Parolen vermuten lassen. Bei Telekom
haben sicherlich auch einige schon im Hinterkopf den
Toursieg für dieses Jahr abgehakt. Die sehr
wahrscheinliche Nichtnominierung von Fagnini soll ja
letztlich auch intern den Glauben an Jan
signalisieren: "Jan, wir rechnen so sicher mit Dir, dass
wir sogar deshalb sogar den Erfolg von Erik für Deinen
Gesamtsieg opfern." Ein Zabel der etwas angesäuert ist,
könnte vielleicht auch in den Friede, Freude und
Eierkuchenverein Tourteam vielleicht auch ein wenig
Rivalität reinbringen und soll eine jetzt erst Recht
Mentalität bei Jan auslösen. Nur durch den Sieg von
Jan, wäre im nachinein eine Nichtnominierung von
Fagnini zu rechtfertigen. Mir scheint vieles beim TT
darauf hinzudeuten, dass halt alles mögliche und
unmögliche versucht wird um etwas zu erzwingen, das
für dieses Jahr vielleicht schon verloren ist. Ich
persönlich bin der Meinung, dass das nicht funktionieren
wird, Jan wird sich mit Erik aussprechen und
wahrscheinlich wird sogar rauskommen, dass Jan
eigentlich gar nicht den Platz von Fagnini mit einem
Helfer für das Gesamtklassement besetzen wollte und
es nur an der "bösen" Mannschaftsleistung gelegen hat
*gggg*. Jan ist als Teamkapitän sehr gutmütig (vielleicht
zu gutmütig).


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