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Geschrieben von teufelsberg am 19.10.2006 um 14:00:
Volkswirtschaft
wie sieht es denn mit der werten juristerei aus?
dass richter keine volkswirte sind, ist ja ok. wieso sie sich nicht ökonomischen (und soziologischen und kriminologischen etc) sachverstandes bedienen, ist für mich schwer zu verstehen. täten sie es, gäbe es kaum die meinung, berlin sollte doch ausgaben in wissenschaft, bildung, kindererziehung kürzen.
bei äußerungen jedoch, berlin könnte durch verkauf von wohnungen für 5 mrd € zinsen in einer höhe einsparen, die über den mieteinnahmen liegt, sollte sich doch jeder beherrscher der grundrechenarten fragen: häh?
die unterstellung, ein investor erzielt weniger mieteinnahmen, als er für erhalt/betrieb und zinsen ausgibt, von tilgung und gewinn mal ganz zu schweigen, erscheint mir, ich sag mal, sehr "richterlich".
Geschrieben von steffi am 19.10.2006 um 14:02:
RE: politik ist ja verboten,
Mäuschen, datt gibt Ärger, fürchte ich
Geschrieben von aolus86 am 19.10.2006 um 14:12:
RE: politik ist ja verboten,
| Zitat: |
Original von teufelsberg
wie sieht es denn mit der werten juristerei aus?
dass richter keine volkswirte sind, ist ja ok. wieso sie sich nicht ökonomischen (und soziologischen und kriminologischen etc) sachverstandes bedienen, ist für mich schwer zu verstehen. täten sie es, gäbe es kaum die meinung, berlin sollte doch ausgaben in wissenschaft, bildung, kindererziehung kürzen.
bei äußerungen jedoch, berlin könnte durch verkauf von wohnungen für 5 mrd € zinsen in einer höhe einsparen, die über den mieteinnahmen liegt, sollte sich doch jeder beherrscher der grundrechenarten fragen: häh?
die unterstellung, ein investor erzielt weniger mieteinnahmen, als er für erhalt/betrieb und zinsen ausgibt, von tilgung und gewinn mal ganz zu schweigen, erscheint mir, ich sag mal, sehr "richterlich". |
dann frage mal bei kreditinstituten nach, warum sie in diesem bereich so viele notleidende engagements haben....
die mieten, die in berlin für diese wohnungen erzielt werden, liegen bei durchschnittlich ca. 5 €/qm, davon kann man aber je nach Erhaltungszustand 2-3 € pro qm an Kosten abziehen und Instandhaltungsaufwand, ist tatsächlich so, verbleibt eine Nettomiete von max. 3€/qm, wenn jetzt ein qm mit durchschnittlich 900 €/qm finanziert ist, ergibt sich also eine Nettorendite von 3% vor Zinsen, der Zinskosten von 4,5 -6,5% gegnüberstehen...
Geschrieben von teufelsberg am 19.10.2006 um 14:16:
RE: politik ist ja verboten,
| Zitat: |
Original von aolus86
dann frage mal bei kreditinstituten nach, warum sie in diesem bereich so viele notleidende engagements haben....
die mieten, die in berlin für diese wohnungen erzielt werden, liegen bei durchschnittlich ca. 5 €/qm, davon kann man aber je nach Erhaltungszustand 2-3 € pro qm an Kosten abziehen und Instandhaltungsaufwand, ist tatsächlich so, verbleibt eine Nettomiete von max. 3€/qm, wenn jetzt ein qm mit durchschnittlich 900 €/qm finanziert ist, ergibt sich also eine Nettorendite von 3% vor Zinsen, der Zinskosten von 4,5 -6,5% gegnüberstehen... |
und wie rechnet der investor?
Geschrieben von Michelin-Männchen am 19.10.2006 um 15:19:
RE: politik ist ja verboten,
| Zitat: |
Original von teufelsberg
| Zitat: |
Original von aolus86
dann frage mal bei kreditinstituten nach, warum sie in diesem bereich so viele notleidende engagements haben....
die mieten, die in berlin für diese wohnungen erzielt werden, liegen bei durchschnittlich ca. 5 €/qm, davon kann man aber je nach Erhaltungszustand 2-3 € pro qm an Kosten abziehen und Instandhaltungsaufwand, ist tatsächlich so, verbleibt eine Nettomiete von max. 3€/qm, wenn jetzt ein qm mit durchschnittlich 900 €/qm finanziert ist, ergibt sich also eine Nettorendite von 3% vor Zinsen, der Zinskosten von 4,5 -6,5% gegnüberstehen... |
und wie rechnet der investor? |
Er rechnet mit Mietsteigerungen.
Geschrieben von teufelsberg am 19.10.2006 um 15:37:
RE: politik ist ja verboten,
sind die möglich, in welchem umfang, ohne investitionen, wieso könnte der alte eigentümer das nicht?
wieviel der angenommenen erhöhungen gibt das land wieder als wohngeld aus?
wie hoch ist bei einer konsumquote von 100% der verlust für den wirtschaftskreislauf des landes?
fragen über fragen.
Geschrieben von Brägel am 19.10.2006 um 16:51:
RE: politik ist ja verboten,
Generell finde ich es politiv, daß Berlin zu mehr Disziplin in der Finanzpolitik verdonnert wird.
Mit Verlaub, die Zeiten des kalten Krieges, als sowohl die West- als auch die Ost-Berliner nur "Zucker in den A... geblasen bekamen" sind ja nun vorbei.
Ganz davon abgesehen trägt der "Wowi-Senat" nur die lasten der Vorgänger.
Aber darüber kann man
hier wunderbar diskutieren.
Ich will mich ja nicht unbeliebt machen.
Geschrieben von Tourmalet am 19.10.2006 um 16:57:
Jan Ullrich kann ja nach Berlin ziehen. Damit käme er in den Genuss einer bundesdeutschen Lizenz und Berlin wäre seine Haushaltsprobleme los.
Geschrieben von Michelin-Männchen am 19.10.2006 um 17:29:
RE: politik ist ja verboten,
| Zitat: |
Original von teufelsberg
sind die möglich, in welchem umfang, ohne investitionen, wieso könnte der alte eigentümer das nicht?
wieviel der angenommenen erhöhungen gibt das land wieder als wohngeld aus?
wie hoch ist bei einer konsumquote von 100% der verlust für den wirtschaftskreislauf des landes?
fragen über fragen. |
Falsche Schlussfolgerung. Der Business Case läuft eher so:
- Investor modernisiert Wohnungen
- Investor passt Mieten an
- Investor bekommt solventere Mieter
- Woihn-Qualität der Anwesen steigt
und fertig ist der Kreislauf, der aus einem Objekt mit niedriger Rendite eines mit höherer macht.
Ist das ungerecht? Gute Frage. Ich glabe, dass Menschen, wenn sie in ein kompetitiveres Umfeld gesetzt werden (Preisspreizung, anreizbasierte Gehälter etc.), mehr zu leisten in der Lage sind und das ist langfristig gut für die Volkswirtschaft.
Geschrieben von joaquin am 19.10.2006 um 17:53:
RE: politik ist ja verboten,
*räusper*
Wo steckt denn Heidi, wenn man sie mal wirklich braucht.
Geschrieben von teufelsberg am 19.10.2006 um 17:53:
RE: politik ist ja verboten,
| Zitat: |
Original von Michelin-Männchen
Falsche Schlussfolgerung. Der Business Case läuft eher so:
- Investor modernisiert Wohnungen
- Investor passt Mieten an
- Investor bekommt solventere Mieter
- Woihn-Qualität der Anwesen steigt
und fertig ist der Kreislauf, der aus einem Objekt mit niedriger Rendite eines mit höherer macht.
Ist das ungerecht? Gute Frage. Ich glabe, dass Menschen, wenn sie in ein kompetitiveres Umfeld gesetzt werden (Preisspreizung, anreizbasierte Gehälter etc.), mehr zu leisten in der Lage sind und das ist langfristig gut für die Volkswirtschaft. |
und führt dazu, dass ein investor quadratmeterpreise zahlt, bei denen er aktuell und auf absehbare zeit erhebliche verluste macht.
interessant.
der zweite teil ist hier recht heiß. eine knappe frage: was macht der "rest"?
Geschrieben von Michelin-Männchen am 19.10.2006 um 20:48:
RE: politik ist ja verboten,
| Zitat: |
Original von joaquin
*räusper*
Wo steckt denn Heidi, wenn man sie mal wirklich braucht.
|
Keine Sorge, ich trage immer Helm
Geschrieben von Michelin-Männchen am 19.10.2006 um 20:53:
RE: politik ist ja verboten,
| Zitat: |
Original von teufelsberg
| Zitat: |
Original von Michelin-Männchen
Falsche Schlussfolgerung. Der Business Case läuft eher so:
- Investor modernisiert Wohnungen
- Investor passt Mieten an
- Investor bekommt solventere Mieter
- Woihn-Qualität der Anwesen steigt
und fertig ist der Kreislauf, der aus einem Objekt mit niedriger Rendite eines mit höherer macht.
Ist das ungerecht? Gute Frage. Ich glabe, dass Menschen, wenn sie in ein kompetitiveres Umfeld gesetzt werden (Preisspreizung, anreizbasierte Gehälter etc.), mehr zu leisten in der Lage sind und das ist langfristig gut für die Volkswirtschaft. |
und führt dazu, dass ein investor quadratmeterpreise zahlt, bei denen er aktuell und auf absehbare zeit erhebliche verluste macht.
interessant.
der zweite teil ist hier recht heiß. eine knappe frage: was macht der "rest"? |
Es gibt nach meiner Meinung nicht mehr Rest als in einem Umfeld ohne Anreiz. Deshalb funktioniert dieses Anreizsystem auch nur, wenn es gleichzeitig ein Sozialsystem gibt, das diesen Rest auffängt.
Wie lange der Investor Verluste macht, hängt von den Mietverträgen ab. Glaube mir, er wird wissen, was er tut.
Geschrieben von NiWe am 20.10.2006 um 00:32:
RE: politik ist ja verboten,
| Zitat: |
Original von joaquin
*räusper*
Wo steckt denn Heidi, wenn man sie mal wirklich braucht.
|
ich bin mal so frei und versuche mal eine Antwort zu finden.
Solange in diesem Thread über volkswirtschaftliche Probleme bei Wohnungsbaugesellschaften und Quadratmeterpreise diskutiert wird, vermute ich fast mal, wird die obige Dame nicht eingreifen...Wenn die Sache allerdings in ein "Berlin, das blöde Land, muss seine Finanzpolitik verbessern" übergeht, könnte ich mir vorstellen, dass dann der von brägel angebrachte link die bessere Adresse wäre...
Geschrieben von Brägel am 20.10.2006 um 20:45:
RE: politik ist ja verboten,
| Zitat: |
Original von NiWe
Solange in diesem Thread über volkswirtschaftliche Probleme bei Wohnungsbaugesellschaften und Quadratmeterpreise diskutiert wird, vermute ich fast mal, wird die obige Dame nicht eingreifen...Wenn die Sache allerdings in ein "Berlin, das blöde Land, muss seine Finanzpolitik verbessern" übergeht, könnte ich mir vorstellen, dass dann der von brägel angebrachte link die bessere Adresse wäre... |
ok, diskutieren wir weiter über VWL
Geschrieben von ursfoe am 20.10.2006 um 21:28:
RE: politik ist ja verboten,
Iudex Calculat!!
Geschrieben von teufelsberg am 19.12.2007 um 12:12:
Vom Sinn und Unsinn
Seit Wochen lässt Hans-Werner Sinn keine Talkshow und kein Magazin aus, um seine Thesen zum Mindestlohn zu verbreiten. Gestütz auf seinen anzunehmenden Sachverstand als Präsident eines Wirtschaftsforschungsinstitutes.
Sinn war auch Vorsitzender des "Verein für Socialpolitik" (deren Gründer auch "Kathedersozialisten" genannt wurden), als solcher eigentlich recht unverdächtig der Marktradikalität. Er betont ja auch immer sein Eintreten für ein "Mindesteinkommen" anstelle eines Mindestlohnes.
Der Mindestlohn kostet Hunderttausende Arbeitsplätze, letztends hat er dies sogar (beim Mindestlohn in Höhe des Posttarifs) auf 1,9 Millionen Arbeitsplätze beziffert. Eine gigantische Zahl, wer mag da noch widersprechen.
Gestütz wird die Aussage auf dieses
Klassische Marktmodell.
X wäre hier das Arbeitsangebot, abhängig vom p, Preis für Arbeit, dem Lohn.
(der Ökonom schreibt den Preis als unabhängige Variable an die Ordinate)
Es bildet sich ein/e Gleichgewichtspreis/arbeitsmenge Po Xo heraus.
Wird ein Mindestlohn Pmin eingeführt, fragen die Unternehmen weniger Arbeit nach, die Menschen bieten mehr Arbeit an. Es kommt zu Arbeitslosigkeit N'-A'. Soweit das Modell, in diesem richtig.
(diskutierbar ist der Verlauf der Arbeitsangebotskurve, so müssen manche Menschen ihre Arbeitszeit ausweiten bei sinkendem Lohn, andere schränken sie ein, wenn sie genug kriegen, aber hier egal)
Was Herr Sinn jedoch nie erwähnt: die staatlichen Transfers, für die er so vehement plädoert, stammen aus Steuern und Abgaben. Die
Wirkung einer Steuer kann man hier sehen
(es gibt verschiedene Möglichkeiten der Steuererhebung, spielt hier aber auch keine Rolle)
Wie man leicht sieht: der Gleichgewichtspunkt wird verlassen, oder übersetzt auf den Arbeitsmarkt: es kommt zu Arbeitslosigkeit.
(die Möglichkeit, Sozialausgaben aus Neuverschuldung zu finanzieren, erwägen nichtmal die Super-nachfrager vom DIW)
So ließe sich mit einer einzigen kritischen Nachfrage die dumpfe Argumentation des Herrn Sinn beenden, er müsste mal wirklich abwägen. Und dann ist es bei weitem unklarer, wie sich Lohnerhöhungen im Niedriglohnsektor auswirken. Die Aufsummierung aller Niedriglohnempfänger, um sie dann mit einer Quote zu versehen und so in Westdeutschland 1,4 Millionen Arbeitslose mehr zu ermitteln, ist wissenschaftlicher Unfug. Die Branchen sind einzeln zu betrachten.
Nehmen wir mal die Post-Branche: nun sind 9,00 im Osten und 9,80 im Westen schon nicht wenig für eine prinzipiell sehr einfache Tätigkeit. Übersehen werden darf jedoch nicht die Verantwortung eines Postboten;
ein Freund meiner besten Freundin fuhr vier Wochen in den Urlaub, bekam ein Einwurfeinschreiben vom Gericht und war bei seiner Rückkehr rechtskräftig als Gewalttäter verurteil, Wiederaufnahme unmöglich, da Frist verstrichen. In seinem Fall war natürlich der Postkastenleerende Freund schuld, aber diesen Einwurfeinschreiben ist jeder fast völlig wehrlos ausgeliefert; wie soll man den Nichterhalt beweisen, wenn ein Postbote das Ding wegwirft oder falsch einwirft?
Auch die Geschehnisse im Briefmarkt (Pin, TNT, Jurex) zeigen eines deutlich: es braucht volkswirtschaftlich sicher keine Konkurrenz, die ausschließlich auf Niedrigstlöhnen der Mitarbeiter beruht. Welche Briefe werden denn mehr geschrieben, wenn sie 52 statt 55 Cent kosten? Dafür Hunderttausende zum Amt schicken, um sich HartzIV zu holen? Bezahlt aus Steuern, die andere Märkte verzerren? Unfug
In anderen Branchen gibt es andere Erklärungen.
Insgesamt fehlt noch die Betrachtung von Löhnen als Einkommen, als Nachfrage für andere Produkte/Dienstleistungen. Menschen in diesem Sektor haben Konsumquoten von 100%.
Und Her Sinn redet von internationaler Wettbewerbsfähigkeit; allerdings lässt er unerwähnt, dass keiner in der Metall-, Elektro-, Chemie-, Maschinenbau- oder sonstigen Exportbranche von einem Mindestlohn betroffen wäre, da die Einstiegslöhne auch für ungelernte weit über den diskutierten flächendeckenden Mindestlöhnen liegen.
Und er bezeichnet Menschen mit dreijährigen Ausbildungen als wenig leistungsfähig oder gering motiviert oder ähnliches; Unsinn, Herr Sinn!
Für Menschen, die wirklich in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind, sind Kombilohnmodelle tatsächlich sehr sinnvoll; jedoch nicht für Millionen Menschen in dringend benötigten Berufen, in denen der vermachtete Arbeitsmarkt Hungerlöhne ergibt.
Geschrieben von xxEntexx am 20.12.2007 um 20:00:
Eines wollen wir doch mal klipp und klar festhalten:
Berlin, das Land, muss seine Finanzpolitik verbessern.
Geschrieben von teufelsberg am 20.12.2007 um 20:08:
RE: Eines wollen wir doch mal klipp und klar festhalten:
| Zitat: |
Original von xxEntexx
Berlin, das Land, muss seine Finanzpolitik verbessern. |
demnächst ohne neuverschuldung, trotz weitaus weniger rosigen bedingungen als andere länder, also was solls noch.
die öffentlichen dienstleistungen sehen entsprechend aus, inclusive familienhilfe etc.
aber hey, das thema ist total oll.
Geschrieben von xxEntexx am 20.12.2007 um 20:13:
RE: Eines wollen wir doch mal klipp und klar festhalten:
| Zitat: |
Original von teufelsberg
aber hey, das thema ist total oll.
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Könnte genau darin nicht möglicherweise der Kasus Cnacksus liegen?.. Man weiß es nicht genau.
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