Cycling4Fans - Forum (http://forum.cycling4fans.de/index.php)
- Radsport (http://forum.cycling4fans.de/board.php?boardid=19)
-- Nur für Selberfahrer (http://forum.cycling4fans.de/board.php?boardid=3)
--- Affenkotze² (http://forum.cycling4fans.de/thread.php?threadid=19707)
Die Tatsache, dass zwei der Kandidaten ambitionierte Hobbyläufer sind, von denen einer den Marathon sogar schon in drei Stunden geschafft hatte, konnte mich nicht schrecken; ebenso wenig die Tatsache, dass die vierte Person wegen "Trainingsrückstandes" ihre Teilnahme später wieder zurückzog... http://www.clicksmilies.com/s0105/grinser/grinning-smiley-021.gif Ich hatte theoretisch ja ein halbes Jahr Zeit, mich auf diesen "Saison-Höhepunkt" vorzubereiten. Wie gesagt, theoretisch...
Denn neben so elementaren Aspekten wie einem geregelten Arbeitsverhältnis standen einem ebenso geregelten Lauftraining v.a. zwei Dinge entgegen: mein Credo "das Wochenende gehört dem Rennrad", welches ich erst drei Wochen vor Ultimo über Bord warf, sowie leider allzu oft das laute Kläffen des inneren Schweinehundes...
Letzten Endes hatte ich keine Trainingseinheit bestritten, die länger als 20 Kilometer war, und so verspürte ich am Start neben leichter Aufregung und Vorfreude ein etwas mulmiges Gefühl. Für die Hälfte der Distanz würde es locker reichen, aber was ist mit dem Rest?...
Als Oberteil hatte ich mein altes Bianchi-Trikot des Jahres 2003 (
) aus dem Schrank gekramt und auf dem Rücken mit dem hübschen Namenszug "HIJO de RUDICIO" versehen...
Während des Laufes wurde ich dann prompt auch einige Male darauf angesprochen. Am meisten Aufmunterung konnte mir dabei der Zuruf "Ulle, lass Dir nichts einreden! Du bist nicht gedopt!" spenden...
Und da ich auch in meinem Startblock eher hinten stand, dauerte es weitere 5 min, bis ich die Startlinie samt Zeiterfassungsmatte passiert hatte und es endlich losgehen konnte. Die ersten 20 km lief es dann erwartungsgemäß gut. Etwas anstrengend waren lediglich die vielen langsameren Läufer, die einen immer wieder zu kurzen Zwischensprints in die sich bietenden Lücken nötigten, da aufgrund der Masse an Läufern trotz breiter Straßen kaum Platz zum Überholen war. Ich war allerdings etwas verwundert darüber, dass es so viele Läufer gab, die noch langsamer als ich unterwegs waren, obwohl ich schon ein ziemlich gemäßigtes Tempo angeschlagen hatte. Den ersten Läufer, der eine Gehpause einlegen musste, konnte ich dabei schon nach 3 (!) km beobachten...
Die Karenzzeit von sechs Stunden, von der im Veranstalter-Prospekt die Rede war, dürfte nach meiner Einschätzung mit solch einem Tempo kaum zu schaffen sein...
Ab dem Halbmarathon-Punkt stieß ich dann in die ungewohnten Regionen vor, und wie auf Befehl begann mein Körper, allmählich müde zu werden
; als ob mir jemand langsam aber stetig Zement in die Beine gießen würde. Sie wurden von Kilometer zu Kilometer immer schwerer und fester und auch steifer und unbeweglicher...
Immerhin bekam ich nun moralische Unterstützung von meiner "Soigneuse", die mich bei km 23 mit einem Getränk empfing und auch gleich fotografierte, sowie bei km 27 kurz hinter dem Wilden Eber ein kleines Stück neben mir herlief. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle...
, bei km 38 verfluchte ich den Marathon
, und bei km 39 schien dann endgültig der Ofen aus zu sein. Über einen Kilometer bis zum letzten Verpflegungspunkt bei km 40 konnte ich nur im Gehtempo bewältigen. Dort stärkte ich mich sichtlich unmotiviert mit einer halben Banane und setzte mich dann auch eher unwillentlich und v.a. etwas wacklig wieder in einen Laufschritt. Kurz darauf bog ich allerdings auf den Boulevard Unter den Linden ein und konnte dort von weitem den Teufelslappen in Form eines magenta-farbenen Bogens erkennen...
Und offensichtlich schien dieser die alten Radfahrer-Instinkte in mir zu wecken, denn augenblicklich beschleunigte ich mein Tempo trotz der Schmerzen in den Beinen wieder. Ich wurde immer schneller und überholte viele der vor mir staksenden Läufer. Unter dem stürmischen Gebrüll der hier massenweise anwesenden Zuschauer flog ich förmlich die letzten ca. 500 bis 600 m ins Ziel...
Hinter der Ziellinie kam ich mir dann allerdings etwas verloren vor, denn nun war ich statt von enthusiastischen Anfeuerungen nur noch von erschöpften Läufern umgeben. Ein Bundeswehrsoldat, der mir gratulierte und mir die Finisher-Medaille um den Hals hängte, riss mich ein wenig aus meiner Apathie. Aber erst auf dem Nach-Hause-Weg reifte allmählich das Gefühl in mir, was ich an diesem Tag geleistet hatte.
Eines steht damit jedoch unumstößlich fest: Sollte ich irgendwann wirklich noch mal einen Marathon laufen, dann nur mit wesentlich mehr Training in den Beinen – definitiv!
| Zitat: |
| "Ulle, lass Dir nichts einreden! Du bist nicht gedopt!" |
| Zitat: |
| Original von teufelsberg wie sah denn so dein training aus? |
Zur Not kannst Du ja auch Deinen laut kläffenden Trainingspartner mitbringen
. Apropos: Dein Ortsschild wird doch im Winter nicht mit Schnee verdeckt sein?
)
) haben mir auf den letzten 7km auch dermaßen die Beine weh getan, dass an Laufen auch nicht mehr zu denken war. Meine Trainingskollegin hatte sich zu diesem Zeitpunkt auch schon längst verabschiedet und mich mit meinem Leiden allein gelassen
Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH