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Geschrieben von Tourmalet am 18.07.2004 um 10:58:

  Das ist die perfekte Welle

...das ist die perfekte Form (leicht abgewandelt von Juli).

Mit diesem nichtssagenden Titel verstecke ich meine Spekulationen über die Ursachen, dass diese Tour bisher so verläuft wie es der Fall ist.
Irgendwo habe ich schon öfter gehört, dass der Formverlauf wellenartig sein soll. Weiterhin sagt man, dass die erste Welle nicht so stark in der Spitze und so stabil sei, wie die zweite Welle.
Wenn man sich jetzt den Formverlauf der bisherigen Tourprotagonisten so anschaut, könnte man wirklich zu dem Ergebnis kommen, dass dies wirklich so ist.

Beispiel Lance:

Bei ihm ist klar, dass er schon in der zweiten Formwelle dieser Saison ist, denn ohne gute Form hätte er wohl kaum bei auch eher schwächeren Konkurrenzen wie in der Algavre oder in Georgia Siege erringen können. Während der Dauphiné als so viele an ihm zweifelten könnte er einfach in einem Formtal gewesen sein, dass er aber rechtzeitig zur Tour wieder verlassen konnte. Seine Form scheint echt stabil zu sein und es ist offensichtlich, dass sie im Moment an einem Hochpunkt ist.

Beispiel Basso:

Basso hatte wie alle CSC`ler einen exzellenten Saisoneinstieg mit unter anderem einem 2. Platz in der Tour Med. Dann hat er bis Ende April seine Form ungefähr halten können, ehe er eine Pause einlegte. In der Dauphiné hat er noch sehr viel schlechter abgeschnitten als Lance. Auch er reitet während der Tour wieder auf eine hohen Welle, eine die sogar sehr viel höher ist, als er sie bisher je erreicht hat.

Beispiel Klöden:

Klöden hatte schon im April bei der Baskenland Rundfahrt die er aufgab, Zeichen von guter Form ausgestrahlt. Beim Flêche Wallone war er dann gar einer der Stärksten des ganzen Fahrerfeldes. Hat sich dann erholt, ist eine gute aber nicht überragende D-Tour gefahren, dann auch gut in der Route du Sud und ist seit den Deutschen in ganz großer Form.

Beispiel Mancebo:

Er konnte wenn ich mich recht entsinne, spätestens im Mai mit Platzierungen um Platz 10 in kleineren Rundfahrten aufwarten. Hat die Form dann über D-Tour und spanische Meisterschaften kontinuierlich gesteigert und ist nun in Topform.

Beispiel Ullrich:

Er hatte erneut ein Katastophen Fühjahr. Dann ab Ende Mai konnte er auf einmal vorne mitfahren und war bei der Tour de Suisse so stark wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. Diese Formperiode war bei ihm aber eindeutig erst die erste Welle, weil ja vorher überhaupt keine Form da war. Dann ist er in ein kleines Tief gefallen, in dem er immer noch drin steckt. Allerdings kündigt sich die zweite Welle wohl langsam aber sicher an und es ist fast zu vermuten, dass er im August wieder einmal mit ganz großer Form auftrumpfen wird und er unter Umständen diese Form bis zu den Weltmeisterschaften konservieren kann.

Beispiel Mayo:

Er war schon bei der Baskenland-Rundfahrt ganz stark und dann im Bereich vom Mai bis zur Dauphiné alles überragend. Sein Fehler war wohl, dass er nicht wie Armstrong, Basso und Co im Mai mal rausgenommen hat, sondern einfach durchzog. Aber es funktioniert halt einfach nicht über 4 Monate bei wirklich jedem Rennen in Topform zu sein. Nun, er wird daraus lernen.

Also die These wäre letztendlich, dass wenn man die Tour gewinnen will, man schon im Frühjahr bei dem einen oder anderen Rennen mit guter Form aufwarten muss. Andererseits ist aber auch nicht möglich die Tour zu gewinnen, wenn man ab April bei wirklich jedem Rennen die Konkurrenz in Grund und Boden fährt.



Geschrieben von atreiju am 18.07.2004 um 11:59:

 

Diese Welle, die du beschreibst, ist bei Spitzensportlern ein längst bekanntes Phänomen, was den Formaufbau betrifft und ist auch aus biomechanischen Gründen erklärbar. der menschliche Körper hat nunmal einen Biorhythmus, der nach einem absoluten Hoch erst eine Phase des Abschwungs benötigt, um wieder neue Höhen erklimmen zu können.

Daher 100%-Zustimmung zu deinen Thesen. Ich frage mich trotzdem, warum bei manchen teams immer wieder die gleichen Fehler passieren.



Geschrieben von 007 am 18.07.2004 um 12:26:

 

Daher 100%-Zustimmung zu deinen Thesen. Ich frage mich trotzdem, warum bei manchen teams immer wieder die gleichen Fehler passieren.[/quote]

Das gleiche würde ich auch sagen.
Armstrong schafft es komischerweise fast als einziger (neben Basso und Totschnig), auf den Punkt topfit zu sein.
Alle anderen waren entweder zu früh in Form (Hamilton, Mayo, beide bärenstark bei der Dauphine) oder sind total ausser Form (Ullrich, Heras, wo ist denn da bitte die Form vergangener Jahre?).

Ich glaube schon, dass wir eine spannendere Tour gesehen hätten,wenn die anderen Favoriten in der Form vergangener Tage gewesen wären. Denn wenn sich am Schlussanstieg 10km vor dem Ziel schon alle Favoriten verabschiedet haben, kann man dass imho nicht nur auf die Stärke eines Armstrongs zurückführen, ohne natürlich jetzt dessen Leistung zu schmälern..... l



Geschrieben von vmart77 am 18.07.2004 um 12:26:

 

sehr schöne einschätzung, die das ganze wohl recht gut trifft.



Geschrieben von teufelsberg am 18.07.2004 um 13:28:

 

endlich mal wieder ein seriöser und nicht beleidigender beitrag vom user der herzen.

ziemlich treffend analysiert. glaube auch, dass ulle noch kommt beim zf. für armstrong reichts locker. bei klöden muss man abwarten.



Geschrieben von KitKat am 18.07.2004 um 13:36:

 

Wie erklärst du dir denn dann die letztjährige gute Form von Ulle, tourmi?
Und jetzt sag nicht die erste Welle war bei RuK...! Spassvogel



Geschrieben von Petersen am 18.07.2004 um 14:01:

 

Letztes Jahr war Ullein einer ganz anderen Ausganssituation. Die Doping oder besser Tablettenaffäre, einige Skandale u.s.w. Er war ziemlich angeschlagen als Sportler. Also hat er sich zusammengerissen und sich aus dieser Lage befreit. Das klappte sogar mit einem "nicht so guten" Team wie den Moppels.
Dieses Jahr war er wieder oben. Einen Milionenvertrag, hohes Ansehen bei den Sportfans, ein gute Team und auch noch eine Familie im Rücken. Er hatte alles, aber nicht mehr das Auge des Tigers, wie es in einem Rokkyfilm so schön hieß. Die Folge sehen wir ja. Trotz intensiver Vorbereitung hinkt er den Leistungen des letzten Jahres hinter her.


Bei Lance sehe ich die Sache anders. Als er mit dem Krebs konfrontiert wurde war er als Sportler nicht sonderlich bekannt. Der Medienrummel hielt sich auch in Grenzen. Wer redete in den USA schon über Radsport. Er war gezwungen sich dem härtesten Gegner zu zu wenden den es gibt. Seiner eigenen Person. Ohne das es irgend jemanden großartig interessierte hat er sich an die Spitze gekämpft. Das hat ihn reifen lassen und er hat zu seiner Stärke gefunden.

Das sind Erfahrungen die Jan noch nicht in dieser Art gemacht hat und das fehlt ihm, meine ich. Wie sonst ist es möglich das man mit einem, angeblich, schlechteren Team bessere Leistungen erzielt?


Fazit für mich: Ich bin entäuscht von den Leistungen Jans aber nicht sonderlich überrascht von den guten Leistungen von Lance.
Jan drücke ich die Daumen, daß er sich in Zukunft wieder fängt.



Geschrieben von alon am 18.07.2004 um 14:09:

 

Zitat:
Original von Petersen

Das sind Erfahrungen die Jan noch nicht in dieser Art gemacht hat und das fehlt ihm, meine ich. Wie sonst ist es möglich das man mit einem, angeblich, schlechteren Team bessere Leistungen erzielt?



das heißt man muss ulle jetzt krebs (o-ä.) künstlich einpflanzen...oder wie?


Es haben doch schon viele FAHRER ohen so eine erfahrung gewonnen...also warum sollte sie ausgerechnet ulle fehlem?



Geschrieben von Petersen am 18.07.2004 um 14:14:

 

gelesen haste das Posting ja. Jetzt mußte nur noch denken.



Geschrieben von rider am 18.07.2004 um 14:25:

 

Zitat:
Original von Petersen
gelesen haste das Posting ja. Jetzt mußte nur noch denken.

Da ist er aber nicht der einzige. Ich werfe jetzt mal das Stichwort Gesundheitspass ein.

CNR



Geschrieben von Manny Calavera am 18.07.2004 um 15:43:

 

sehr schöner post und theorie ,kann man nur zustimmen...
demnach is bei olympia einiges zu erwarten...



Geschrieben von OgerTian am 18.07.2004 um 15:49:

 

der gesundheitspass ist ein witz smile gehört abgeschafft.

zu einzelnen fahrern sag ich das lieber mal nichts. ist aufjedenfall ein betrug gegenüber gesunden.



Geschrieben von teufelsberg am 18.07.2004 um 16:10:

 

ich behaupte mal, dass jan noch nie sein wahres leistungsvermögen ausgeschöpft hat; wenn er gewinnt, ist er einfach total überlegen.

wenn man dagegen in die gesichter von bspw pantani oder auch armstrong nach überragenden leistungen schaut, sieht es ganz anders aus.
da schwirren soviel körpereigene drogen, ausgeschüttet durch selbstmotivation, in den körpern herum, da muss man nicht zwangsläufig mit doping argumentieren.

eine konfrontation mit einem lebensbedrohlichem zustand bringt sicherlich einen anderen blickwinkel; dass es nicht voraussetzung für mentale grenzgänge ist, beweisen viele andere beispiele.



Geschrieben von Petersen am 18.07.2004 um 17:22:

 

Nemmt mal Völkler, was hat bei ihm das gelbe Trikot bewirkt.

Es gibt eben Dinge in der Psyche da wächst ein Mensch über sich hinaus.



@ teufelsberg, körpereigene Drogen ist ein guter Vergleich.



Geschrieben von Tourmalet am 18.07.2004 um 18:20:

 

Zitat:
Original von KitKat
Wie erklärst du dir denn dann die letztjährige gute Form von Ulle, tourmi?
Und jetzt sag nicht die erste Welle war bei RuK...! Spassvogel


Na im Frühjahr war er schon ganz gut dabei, damals.
Er ist anständig Lüttich und Flêche Wallone gefahren, um ein Vielfaches stärker als in diesem Jahr.



Geschrieben von Manny Calavera am 18.07.2004 um 19:12:

 

und auf welcher welle war dann armstrong 2001 bei der TdS und sonst bei der dauphine...
und kann man davon ausgehen ,dass man im zunehmenden alter die topform der 2.welle nicht mehr solange halten kann (->deswegen lance so schlecht bei der dauphine ,damit er die topform genau bei der tour hat ,und deswegen die olympia-absage ,weil er danach keine form mehr haben würde ???)



Geschrieben von crn am 18.07.2004 um 22:27:

 

Wie lange jemand die Topform halten kann, ist nur bedingt altersabhängig. Du kannst eine absolute Topform nur für eine kurze Belastung, vielleicht zwei, drei (Wettkampf-)Tage, halten. Wenn man etwas niedriger ansetzt, bleibt die Form länger, aber eben nicht ganz so toll.

Armstrong hat dieses Jahr den Fokus sicherlich auf der letzten Tourwoche gehabt, deshalb versucht, eine Tour-Spätform aufzubauen. Scheint aber nicht geklappt zu haben, so wie er bereits fährt zahnlos . Nach der Tour geht es bei Armstrong rapide bergab mit der Form, andere Fahrer halten die dann noch etwas (weil die Welle flacher verläuft, nicht so nah ans Maximum kommt und, statt zu kollabieren, sanft abschwingt).

Bei einer Tour, wo die Form tatsächlich über drei Wochen da sein muss, weil Bergetappen und Zeitfahren sehr gestreut sind, sieht Armstrongs Vorbereitung definitiv anders aus. Da versucht er es mit einer weniger "steilen" Formkurve.



Geschrieben von Tapefire! am 18.07.2004 um 22:54:

 

Vielleicht geht die Welle ja schon ab Dienstag steil runter! Augen rollen
Frag sich nur bei Lance oder ...



Geschrieben von Manny Calavera am 19.07.2004 um 13:05:

 

@crn: aha ,sehr informativ...


nur noch: auf welcher welle war denn dann armstrong 2001 bei der TdS ???



Geschrieben von schueppi am 19.07.2004 um 14:15:

  ...

Ja Tourmalet:

Das ganze nennt man doppelte Periodisierung und ist schon seit Jahren bekannt,

auch uns Ulle ist 1997 (San Remo - Tour) gut damit gefahren

Vino war auch wieder gut dabei (fährt der die Vuelta? kommen Salvodelli und Evans mit?)

schueppi


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