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STÄFA – Phonak-Boss Andy Rihs ist unter Druck. Sein Team, das er jährlich mit 6 Millionen Franken unterstützt, fährt dem Erfolg hinterher. Ein Gespräch über Geld, Doping und den umstrittenen Team-Manager Urs Freuler. Andy Rihs, die Vuelta läuft. Schauen Sie sich das Rennen am TV an? Klar. Aber ich sehe nicht oft einen Phonak-Fahrer. Der Sportliche Leiter Alvaro Pino ist enttäuscht, Manager Urs Freuler ist tödlich enttäuscht – und ich auch. Die Leistung der Mannschaft ist unter jedem Hund! Was wollen Sie unternehmen? Soll ich jetzt da runterfliegen und denen den Marsch blasen? Das wäre völlig daneben. Nach der Vuelta gibt es eine Grossanalyse. Jetzt ist es Aufgabe des Sportlichen Leiters Alvaro Pino, die Fahrer weiter zu motivieren. Das Rennen läuft. Und es wird zu Ende laufen. Hoffentlich können wir an dieser komischen Vuelta wenigstens unsere Ehre retten. An der Vuelta fährt Phonak hinterher. Aber mit diesem Team wollten Sie an die Tour de France. Es wäre doch wieder eine Blamage geworden! Schauen Sie sich die französischen Teams an. Sie sind dank des Subventionismus der Tour-Organisatoren stets am Start. Und einige fahren jenseits von Gut und Böse. Wir wären mitgefahren, hätten uns gezeigt. Marketingmässig hätten wir unsere Ziele erreicht, sportlich vermutlich nicht. Geht es Ihnen nur um das Marketing? Als Geschäftsmann geht es mir eindeutig um den kommerziellen Erfolg. Der Radsport ist ein gutes Marketing- und Informationsvehikel. Als Fan will ich aber auch Siege. Darum sind Sie auch bereit, jährlich 6 Millionen Franken aus dem eigenen Sack ins Team zu stecken? Wie viel Geld es genau ist, kann ich nicht sagen. Ich weiss ungefähr, was das Gesamtbudget sein wird. Dank der Radsportgruppe stieg in der Schweiz der Bekanntheitsgrad von Phonak von 3 auf 40 Prozent. In Frankreich von praktisch null auf 6 Prozent. Das ist ein Grosserfolg. Wir erreichen unsere Marketingziele, das ist für mich wesentlich. Dann ist die Verpflichtung von Tyler Hamilton ein Segen. Unsere US-Firma wollte von dem ganzen Zeug nichts wissen. Dabei sind die USA unser grösster Absatzmarkt. Jetzt sind die Amerikaner sehr interessiert mitzumachen, weil Hamilton im Team ist. Wer hat Hamilton zu Phonak geholt? Ihn peilten wir über unseren Berater Jim Ochowicz an. Er ist mit Tyler befreundet. Jim ist ein ausgewiesener Fachmann, ein Vollprofi. Was ist, wenn Hamilton sich verletzt? Ist es nicht gefährlich, nur auf einen Mann zu setzen? Alle grossen Teams haben nur einen Star. Wenn der ausfällt, ist es bitter. Für die grossen Rundfahrten hat jedes Team maximal zwei Fahrer, die vorne mitfahren können. Schaffen beide den Sprung in die ersten zehn, ist das die grosse Ausnahme. Sind Sie bei den Fahrerverpflichtungen involviert? Bin ich logischerweise. Wir haben ein sechsköpfiges Steering-Komitee mit Alvaro Pino, Urs Freuler, Jim Ochowicz, zwei Mitarbeitern aus der Marketing-Abteilung des Konzerns und mir. Sie würden zwei Siegfahrer verpflichten, haben Sie vor der Tour de Suisse angekündigt. Das läuft. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Wie viele Plätze sind für 2004 noch offen? Neben Hamilton haben wir Murn, Valjavec und Bennati engagiert. Alles grosse Arbeiter. Ochowicz hat das auch bestätigt. So sind noch 3 bis 5 Plätze offen. Ich kann den Sportlichen Leitern nicht sagen: «Den oder den müsst ihr rauswerfen.» Sieben Fahrer werden uns verlassen. Und zwei sind nur noch mit einem Bein bei uns. Mehr sage ich nicht. Was ist mit Team-Manager Urs Freuler? Hört man sich bei Ihren Fahrern um, wird schnell klar, dass er eine umstrittene Person ist. Als Manager hat Freuler Defizite. Urs ist jetzt zwei Jahre im Team. Natürlich macht er nicht alles perfekt, ist doch klar. Warum halten Sie an ihm fest? Freuler hat auch sehr gute Arbeit geleistet. Wir mussten eine komplett neue Infrastruktur aufbauen. Er musste sich als Organisator behaupten. Es sind immerhin 44 Leute zu führen. Und eines möchte ich ganz klar sagen: Erst unter Freuler haben wir die ersten richtigen Rennfahrer bekommen. Wir brauchten Freulers Persönlichkeit, weil ohne ihn keiner von den etablierten Profis zu uns gewechselt hätte. Aber jetzt haben Sie etwas vergessen: Mit der Verpflichtung Freulers haben Sie auch das Teambudget vervierfacht. Natürlich. Aber vorher machten wir zwei Jahre lang ein Probefahren auf dem Velo. Wir boten guten Fahrern gute Saläre, aber niemand wollte in der zweiten Division fahren. Ich will dafür nur Verständnis wecken. Sie sind der Ansicht, Freuler hätte seine schwachen Seiten. Aber ich sehe mehr, er war 2002 ein wesentlicher Begründer dieser 1.-Divisions-Mannschaft. Sie loben Freuler und Sie kritisieren ihn. Was macht er falsch? Wo muss er sich verbessern? Ich kann ja nicht alles aus der Schule plaudern. Wir reden nur im Team über Misserfolg und üben Kritik. Sagen wir es einmal so: Freuler muss noch zu einer Integrationsfigur werden. Damit wir bei Phonak nicht eine schweizerische, eine spanische und eine französische Fraktion haben. Er muss das Team zusammenschweissen. Sie glauben, Freuler geniesst nach wie vor die Unterstützung des Teams? Er kritisiert natürlich die Fahrer. Und die haben das nicht gerne. Wir haben den Schweizern im Frühjahr den Nuggi geputzt. Wenn sie Rennfahrer sein wollen, dann sollen sie Rennfahrer sein. Sonst haben sie ihren Beruf verfehlt. Ihr Team ist doch völlig verunsichert. Seit zwei Jahren reden sie vom 1. Januar bis zum 31. Dezember nur von der Tour. Und Sie fordern von den Fahrern den TdS-Gesamtsieg und zwei Teilerfolge. Doch keiner Ihrer Wünsche hat sich erfüllt. Aus reinen Marketinggründen muss ein Sponsor an der Tour de France dabei sein. Sonst muss man gar nicht in den Radsport einsteigen. Mit dem dritten Rang an der Tour de Suisse waren wir nahe dran. Und wir hatten zweite und dritte Plätze. Leider zählt nur der erste Rang. Und deswegen setze ich die hohen Ziele. Den Fahrern soll klar sein: Sie müssen versuchen, diese Ziele zu erreichen. Fährt Phonak 2004 die Tour de France? Da bin ich mir ganz sicher. Entweder schaffen wir es im Herbst in die Top 14 – oder wir bekommen im Frühjahr die erste Wild Card. Glauben Sie, Ihr Team könnte eine dreiwöchige Rundfahrt ohne legale medizinische Hilfe überstehen? Das glaube ich nicht. Intravenöse Glukose-Zufuhr braucht es sicher. Im Prinzip ist das ein Wahnsinn, es zeigt aber die Härte des Rennens. Was sagen Sie zur Aussage Ihres Team-Arztes Daniele Torsi, bei Phonak würde der legale Rahmen der Sportmedizin nicht ausgenützt? Warum braucht der Radsport einen Arzt? Nur wer krank ist, braucht einen Arzt. Aber offenbar kommt man im Spitzensport nicht ohne aus. An der Leichtathletik-WM sah man Frauen in Männerkörpern oder mit Zahnspangen, weil sie Wachstumshormone benutzen. Offensichtlich unternimmt dieser Verband nichts. Da muss ich mir den Weltverband UCI loben, die haben einigermassen Richtlinien herausgegeben. Ich bin gegen das Doping, gegen diesen Seich. Dann engagiere ich mich als Sponsor lieber bei Alinghi oder im Golf. Haben Sie nicht den Verdacht, Ihre Profis bleiben ohne Erfolg, weil sie «nature» pedalen? Ich will mich nicht auf die Äste hinauslassen. Ich kann nicht beweisen, dass andere gedopt sind. Alle, die nicht erwischt werden, sind offensichtlich «nature». In ein paar Rennen wie der Romandie haben uns nachträglich erwischte Fahrer Siege gestohlen. Aber leider braucht der Spitzensport offenbar den Arzt. |
Oder wenn er ständig auf den Rennen rumspringt und alles und jeden zutextet...
Und mit dem Rest der Truppe war's ja auch nicht besser. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass da nächstes Jahr etwas mehr Zug und Ordnung reinkommt, wäre schade, wenn sich jemand wie Phonak zurückziehen würde...
An irgendwas muss es ja liegen, dass Phonak seit zwei Jahren irgendwie nicht die Kurve kriegt...
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